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In der Fleischerei Rotzoll geht es um mehr als um die Wurst

Hier ist Kreativität gefragt

Autor: Markus Liesegang

Ausbildung zum Fleischer und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (m/w/d) | Hamm präsentiert von:

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Fleischer ist einer der ältesten Handwerksberufe überhaupt. Und ein wichtiger dazu. „Wir hatten sogar während Corona geöffnet“, betont Ulrich Rotzoll mit Stolz. Gemeinsam mit seinem Bruder Detlef führt er den Betrieb am Vorsterhauser Weg in Hamm. Die beiden übernahmen die Fleischerei im Januar 2000 von Vater Ulrich und Mutter Brunhilde. Die stadtbekannte Metzgerei im Hammer Westen wurde vor über 70 Jahren gegründet – und ist anerkannter wie beliebter Ausbildungsbetrieb.

„Zu vielen habe ich nach deren Ausbildung noch ein gutes Verhältnis, auch wenn sie in andere Betriebe wechseln“, erzählt der Fleischer-Meister. Das kommt nicht von ungefähr: Die aktuellen Lehrlinge Sanel Mattiebe und Philipp Klekler sind im dritten Lehrjahr, stehen beide vor der Abschlussprüfung. Die sie auch bestehen werden, da ist sich Ulrich Rotzoll sicher. Die Auszubildenden schätzen die Betreuung in der Ausbildung ebenso wie die familiäre Atmosphäre im Betrieb – mit dem gemeinsamen Frühstück sowie der Chance, früh selbst Verantwortung zu übernehmen, eigene Ideen einzubringen. „Und wir essen gern Fleisch“, stellt Philipp Klekler heraus, „wir probieren ja immer, machen den Qualitätscheck“.

Philipp Klekler steht kurz vor seiner Abschlussprüfung als Fleischer - Ausbildung zum Fleischer 2024 Hamm

„Ich esse gern Fleisch.“ Philipp Klekler steht kurz vor seiner Abschlussprüfung als Fleischer. In der Hammer Fleischerei Rotzoll lernen die Auszubildenden, aus einem 500-Kilogramm-Rind vielfältige Fleischspezialitäten zu machen. Foto: Christoph Steininger

Wichtig für Moslems: Fleisch wird halal zubereitet

Sanel Mattiebe ist Bosnier und Moslem. „Es macht einfach Spaß, etwas zu produzieren und es ist anspruchsvoll“ sagt er zum Beruf. Außerdem: „Wir haben hier ja auch einige Kunden mit islamischem Hintergrund, die vertrauen darauf, bei uns Fleisch zu bekommen, das wirklich halal zubereitet ist“, beschreibt er neben seiner Tätigkeit im Handwerk ein weiteres, ganz persönliches Alleinstellungsmerkmal.

„Es bringt viel, wenn man sich anstrengt, fleißig ist, motiviert an die Sache herangeht„, sagt Ulrich Rotzoll mit Blick auf Philipp Klekler, der die Ausbildung dank guter Noten bereits nach zweieinhalb Jahren beendet. Schulabschluss eher Nebensache? „Wir hatten hier schon einen Abiturienten, auch der war motiviert. Aber damals hatten wir keine Kapazitäten, ihn zu übernehmen. Er arbeitet jetzt nach dem Studium als Lebensmitteltechniker bei Westfleisch“, erzählt der Metzgermeister von einem Berufsweg mit Start am Vorsterhauser Weg.

Hier wird Bratwurst gefüllt - Ausbildung zum Fleischer 2024 Hamm

Die Azubis Philipp Klekler (vorn) und Sanel Mattiebe bei der Bratwurstproduktion. Foto: Christoph Steinigner

„Wir machen alles handwerklich“

Gelegenheiten zur Kreativität gibt es im Beruf übrigens viele. „Wir machen ja alles handwerklich. Aus einem Bullen mit 500 Kilogramm Gewicht wird ein Wiener Würstchen oder ein kleines Bratwürstchen“, sagt Ulrich Rotzoll. Der tierische Rohstoff kommt aus der Region. „Die Schweine stammen von einem Bauern auf dem Daberg, die werden frisch geschlachtet bei Westfleisch, wir zerlegen sie anschließend hier.“

Der Spruch: „Im Fleischerhandwerk ist alles sein Geld Wert“ passt unbedingt, wenn man den Fleischerei-Fachverkäuferinnen hinter der Ladentheke zuschaut. „Alles wird individuell zugeschnitten, jeder Kunde bekommt genau das vom Tier, was ihn aus der Theke anlacht“, erklärt der Chef. Das Team steht bei den Kunden immer im Fokus, ihr Berufsbild aktuell weniger. „Dabei kann man als Verkäuferin ebenfalls seine Kreativität ausleben, zum Beispiel Büfetts inklusive entsprechender Deko zusammenstellen, oder unterschiedliche Salate anrichten“, beschreibt Ulrich Rotzoll. Wichtig auch: Mit den Stammkunden kommunizieren. Es ist tatsächlich so, dass „Fleischkaufen bei Rotzoll“ für Generationen ein geflügeltes Wort ist.

Das Team hinter der Theke - Ausbildung zum Fleischer 2024 Hamm

Hinter der Theke steht das Team um Fleischermeister Ulrich Rotzoll den Kunden beratend zur Seite: Beate Möllemann (von links), Lisa Felbel und Petra Steininger. Foto: Markus Liesegang

Im eigenen Betrieb sich selbst entfalten

Es gibt viele Handwerksbetriebe, für die Nachfolger gesucht werden. „Auch das ist eine Perspektive“, erklärt Ulrich Rotzoll. Der 63-Jährige „arbeitet“ seinen Nachfolger gerade ein. „Christoph Steininger war vor 24 Jahren, als wir übernahmen, unser erster Stift. Er hat dann in der Industrie Karriere gemacht“, erzählt der Meister. „Dort verdient man zwar mehr Geld, aber sich selbst entfalten, sein eigener Herr sein, das geht nur im eigenen Betrieb.

Der Nachfolger sieht in dem gut aufgestellten Betrieb eine gute Zukunftsperspektive für sich. Und die Rotzoll-Brüder sind froh, dass die Metzgerei am Vorsterhauser Weg als solche weiterlebt, unterstreicht Ulrich Rotzoll: „Wir hätten auch verkaufen können an Branchenfremde, wollten die Tradition aber fortgeführt wissen.“

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1. Was ist für Sie das Beste an Ihrem Handwerk?

Für mich ist das Beste die Arbeit mit den Menschen – den Mitarbeitern und den Kunden. Sehr gut finde ich, dass wir sehr flexibel und prompt reagieren und individuell auf Kundenbestellungen eingehen können. Außerdem schätze ich den jahreszeitlichen Wechsel. Pfingsten liegt gerade hinter uns. Diese Feiertage nutzen traditionell viele Leute um wegzufahren. Dafür nehmen sie sich dann gerne etwas vom Metzger ihres Vertrauens vorportioniert und vakuumiert mit – als Mitbringsel oder zum selbst Genießen. Jetzt haben wir Grillsaison, im Herbst sind warme Sachen sehr nachgefragt. Im Winter bekommen wir sehr viele Bestellungen von Kunden, die sich für die Feiertage etwas Besonders für sich überlegt haben.

2. Was können junge Menschen nach der Ausbildung in diesem Handwerk machen?

Sie können unter anderem eine Weiterbildung zum Verkaufsleiter machen oder die Meisterprüfung absolvieren und eine oder mehrere Filialen oder gleich einen ganzen Betrieb leiten. Alternativ können sie an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo Lebensmitteltechnologie studieren und danach bei großen Industriebetrieben als Lebensmittelingenieur arbeiten.

3. Was überrascht die Menschen am meisten, wenn Sie von Ihrem Handwerk erzählen?

Wie gewissenhaft wir mit unserem Produkt arbeiten und wie umfangreich und aufwendig unsere Arbeit ist. Und dass wir trotzdem so flexibel agieren können, um die Wünsche der Kunden zu erfüllen – inklusive einer fachkundigen Beratung zur optimalen Zubereitung.

Die Fakten zur Ausbildung

Ausbildungsdauer:

3 Jahre

 

Monatliche Vergütung ab:

1000 € im 1. Lehrjahr
1100 € im 2. Lehrjahr
1250 € im 3. Lehrjahr

 

Abgeschlossene Ausbildungsverträge in 2023:

Fleischer/in: 10 / 22 insgesamt
Fachverkäufer/in: 11 / 28 insgesamt

 

Berufsschulstandort:

Dortmund

 

Zahl der Innungsbetriebe:

36

DER BERUF IN ALLER KÜRZE

Als Fleischer/in bzw. Metzger/in weiß man, wie man Fleisch fachgerecht verarbeitet, zum Beispiel zu saftigen Steaks oder köstlicher Wurst. Zudem kennt man sich mit der Herstellung von Feinkostwaren und Konserven aus. Im Arbeitsalltag werden hochmoderne Techniken und Verfahren genutzt. Dabei steht immer die Qualität der Produkte im Mittelpunkt.

Als Fleischerei-Fachverkäufer/in macht man den Kunden die Fleischerware schmackhaft, indem man sie appetitlich und dekorativ präsentiert. Man weiß über die Herstellung Bescheid, kennt sich bestens mit den Hygienevorschriften aus und kann die Kunden kompetent und individuell beraten. Auch das Auszeichnen der Waren und das Zubereiten von Speisen wie beispielsweise Wurstplatten oder frischen Salaten gehört zu den Aufgaben.

Mit einer Ausbildung im Fleischerhandwerk stehen viele Wege offen. In drei Jahren Ausbildung lernt man nicht nur eine Menge über Wurst, man erwirbt zudem umfassendes Wissen über andere Lebensmittel und den richtigen Umgang mit ihnen. Auch die gründliche Planung und Vorbereitung von Produktionsabläufen oder Veranstaltungen gehören dazu. Man lernt das Arbeiten mit moderner Technik, aber auch den richtigen Umgang mit Kunden im Laden, bei der Beratung für Events oder im Partyservice. In der Ausbildung im Fleischerhandwerk wird man zum gefragten Ansprechpartner zum Thema Genuss – und das nicht nur in Deutschland. Wer hier ausgebildet wurde, hat überall auf der Welt eine Chance, denn leckere Spezialitäten aus Deutschland und ihre Hersteller genießen weltweit einen hervorragenden Ruf.

Weitere Infos zu den Berufen unter www.fleischerberufe.de

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