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Bildhauer und Steinmetz
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Nicht jeder Steinmetz macht Grabmale: Einer der ältesten Handwerksberufe hat sehr gute Zukunftsaussichten

Steinmetz-Meister Markus Schulze arbeitet an einem Einfamilienhaus und stabilisiert das Mauerwerk. Foto: Bender
Von Gabi Bender
Wer sich zum ersten Mal mit dem traditionellen Handwerk des Steinmetzes und Steinbildhauers beschäftigt, wird überrascht sein, wie abwechslungsreich der Beruf ist. „Ich finde die Vielfältigkeit meiner Tätigkeit immer wieder faszinierend“, sagt Steinmetz-Meister Markus Schulze.
Derzeit arbeitet er an einem Einfamilienhaus, dessen Außenwand vor rund 120 Jahren als Bruchsteinmauerwerk ausgeführt worden ist. Der Mörtel ist ein Lehmmörtel, der mit Kalk und – was damals neu war – mit etwas Schlacke aus der Eisenverhüttung versetzt worden ist. „Wir müssen das Mauerwerk so stabilisieren, dass wir die alten Betonstürze, die vermutlich in den 1970er Jahren eingesetzt worden sind, durch selbsttragende Segmentbögen als Stürze aus Anröchter Sandstein ersetzen können.“
So wird das Gebäude optisch deutlich aufgewertet und das ursprüngliche Mauerwerk bleibt erhalten. „Ich bin Vollblutdenkmalpfleger und -schützer und habe es daher gelernt, erhaltungswürdige Substanz zu erkennen und diese dann auch zu erhalten, wenn sie erhaltungsfähig ist“, erklärt Markus Schulze.
Steinmetze und Steinbildhauer beschäftigen sich allerdings nicht nur mit Denkmälern und alten Mauern beziehungsweise Mauerwerk, sondern stellen auch Fußböden her oder arbeiten sie auf. „Im Grunde sind wir zuständig für alle Natursteine, die in einem ganz normalen Haus verbaut sind“, so der Handwerksmeister, „dazu gehören beispielsweise Waschtische, Duschen und Bäder aus Marmor sowie Fensterbänke und Treppen aus Naturstein.“
Ein weiterer umfangreicher Bereich sind Grabmäler, wobei nicht automatisch jeder Steinmetz in der Grabmalpflege tätig ist. „Die Menschen sind oft überrascht, wenn ich ihnen sage, dass mein Betrieb überhaupt keine Grabmale macht, ich aber trotzdem Steinmetz bin.“ Der dritte Schwerpunkt ist die bildhauerische Tätigkeit, wobei diese nur manchmal frei künstlerisch ist. „Häufiger werden vom Steinbildhauer Rekonstruktionsarbeiten wie Steinzier in Form von Laubwerk oder bildhaften Masken gefordert. Steinbildhauer erarbeiten ein Modell und übertragen dieses in Stein. Dabei kommt es auf genaues Sehen und die exakte Umsetzung an. Freie künstlerisches Schaffen ist hier nicht gefragt.

Steinmetz- und Steinbildhauermeister Markus Schulze hat den Betonsturz entfernt und fügt jetzt einen selbsttragenden Segmentbogen als Sturz aus Anröchter Sandstein ein. Foto: Gabi Bender
Der Beruf des Steinmetzes und Steinbildhauers ist einer der ältesten überhaupt im Handwerk und doch ist auch hier die Industrialisierung nicht spurlos vorübergegangen. „Der Steinmetz als solches ist ein pures Handwerk, wobei wir mehr und mehr erleben, dass in der Fertigung für Fertigerzeugnisse und Teilfertigerzeugnisse CNC-gesteuerte Maschinen und auch Roboter verwendet werden.“
Doch ersetzen werden diese den Menschen wohl nie ganz. „Ein Beispiel: Ein Roboter kann eine Figur ausfräsen, aber dann hat sie Frässpuren und nicht die handwerklichen Bearbeitungsspuren und die feinen Vertiefungen für eine ausdrucksstarke Mimik“, sagt Markus Schulze. „Wenn man ein Zehntel Millimeter an der Lippe eines Gesichts verändert, dann verändert man damit schon den Ausdruck und das ist und bleibt echt Handarbeit.“
„Ich finde die Vielfältigkeit meiner Tätigkeit immer wieder faszinierend“
Digitalisierung im Beruf nutzen
Die Möglichkeiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, werden aber auch in diesem Beruf genutzt. „Wir fotografieren digital, zeichnen am PC und es gibt auch Steinmetze, die 3D-Laser-Scans erstellen“, weiß der Soester, „wobei wir immer noch Handwerker sind und daher auch nach wie vor ganz klassisch mit dem Stift zeichnen.“
Mitbringen sollten angehende Steinmetze und Steinbildhauer etwas Mathematik für Flächen- und Körperberechnungen sowie räumliches Vorstellungsvermögen. Wichtig sei außerdem ein gerader Charakter und eine Grundfitness sowie die Fähigkeit, seinen inneren Schweinehund zu überwinden. „Wir gehen auch dann an die frische Luft, wenn es draußen gerade nass und kalt ist.“ Die Frage nach dem Geschlecht stellt sich nicht, denn „ich habe mit allen Geschlechtern sehr positive Erfahrungen gemacht“.

Alle Informationen zum Ausbildungsberuf Steinbildhauer und Steinmetz (m/w/d) findest du in der Sonderveröffentlichung deiner Tageszeitung, als Podcast und in der Radio-Sondersendung. Alle Erscheinungstermine im Überblick

Markus Schulze weiß um die vielfältigen Karriere-Möglichkeiten, die sich Steinbildhauern und Steinmetzen bieten. Foto: Gabi Bender
Die Karrieremöglichkeiten von Steinmetzen und Steinbildhauern sind blendend. Nach der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule kann man an der Meisterschule in Soest den Meister dranhängen und anschließend ein Studium zum Beispiel in den Bereichen Architektur, Kunst oder Denkmalpflege absolvieren. Alternativ zum Meister ist auch eine zweijährige Techniker-Ausbildung in Vollzeit möglich.
„Aus eigener Erfahrung kann ich jedem empfehlen, nach dem Meister den Geprüften Restaurator im Handwerk an der Akademie des Handwerks auf Schloss Raesfeld zu machen“, rät Markus Schulze. Wer soweit lernt, weiß danach nicht nur, welche Bindemittel wie funktionieren, sondern lernt auch einiges über Kunst und Kulturgeschichte, traditionelle Bau- und Handwerkstechniken und zeitgemäße Restaurierungs- und Konstruktionstechniken.
Drei gute Gründe …

Innungsobermeister Christoph Determann
…für eine Ausbildung zum/zur Steinmetz/in und Steinbildhauer/in nennt Christoph Determann, Obermeister der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Hellweg-Lippe:
1. Der Beruf ist unglaublich vielseitig, denn es gibt fast keinen Lebensbereich, in dem man nicht mit Naturstein in Berührung kommt. Die Tätigkeiten reichen vom Verlegen von Natursteinböden über das Anfertigen von Küchenarbeitsflächen bis hin zum Restaurieren von Kirchen. Auch das Anfertigen von Treppenanlagen, Grabdenkmälern sowie freie Bildhauerarbeiten wie Figuren oder Skulpturen können zu den Aufgaben von Steinmetzen und Steinbildhauern gehören.
2. Viele Steinmetze und Steinbildhauer arbeiten in kleinen bis mittelgroßen Betrieben, die einen eher familiären Charakter haben und in denen ein persönlicher Umgang herrscht.
3. Steinmetze und Steinbildhauer schaffen bleibende Werte. Sie sind kreativ und arbeiten mit einem echten Naturprodukt. Nach getaner Arbeit sehen sie, was sie hergestellt haben, und das ist schon ein tolles Gefühl.
Die Fakten zur Ausbildung
Ausbbildungsdauer:
3 Jahre
Vergütung monatlich:
530 € im 1. Lehrjahr
620 € im 2. Lehrjahr
720 € im 3. Lehrjahr
Abgeschlosssene Ausbildungsverträge
in 2018
3
Berufsschulstandort:
Gelsenkirchen
Weitere Zahlen:
Aktuell hat die Steinmetz- und SteinbildhauerInnung Hellweg-Lippe 19 Mitgliedsbetriebe in ihren Reihen. Die Betriebe bilden aktuell vier junge Menschen aus.
Zwei Fachrichtungen:
– Steinmetzarbeiten
– Steinbildhauerarbeiten
Der Beruf in aller Kürze
Steinmetz/-in und Steinbildhauer/-in sägen, schleifen, polieren und restaurieren Natursteine und künstliche Steine. Sie fertigen und verlegen Bodenplatten und Fliesen, bauen Treppen und Fenster- und Türumrahmungen.
Auch Skulpturen, Brunnen- und Terrassenanlagen und geschliffene Grabsteine werden von ihnen erstellt. Außerdem restaurieren sie Baudenkmäler, Bildhauerarbeiten und historische Kunst- und Bauwerke.