Eine gute Adresse für die Ausbildung zum Tischler ist der Klostergarten 6 in Hamm-Rhynern. Dort machte sich Ulrich Alpmann 1999 selbstständig. Und der 55-jährige Schreinermeister führte in der Folge zahlreiche Auszubildende zu einem sehr guten oder besser gesagt: ausgezeichneten Abschluss.

Jan Rüther, seit November 2024 ebenfalls Meister, wurde Landessieger der Tischlerinnung. Geselle Tobias Sabulowski gehörte wie Jan Felix Mümken zu den Innungsbesten der Handwerkskammer. Letzterer gewann mit seinem Gesellenstück, einem Schreibtisch, den Preis für die "Gute Form".

Tischlermeister Ulrich Alpmann und Azubi Till Kattenbusch. Traumberufe Tischler 2026
Der "Chef" Ulrich Alpmann schätzt engagierte Auszubildende. Foto: Markus Liesegang

Die gute Ausbildung hat einen Grund. "Nur vom Selbermachen lernt man", beschreibt Ulrich Alpmann das Prinzip "fordern und fördern". "Und wir sind ein kleiner Betrieb, jede Hand wird auch wirklich gebraucht." Mit ihm selbst arbeiten sechs Mitarbeiter in der Schreinerei Alpmann, zwei Meister, je zwei Gesellen und Auszubildende.

Till Kattenbusch hat seine Ausbildung gerade begonnen. "Ich habe nur kurz überlegt, weiter zur Schule zu gehen, das Abi zu machen", blickt der 16-jährige Realschulabgänger zurück. "Ich hatte immer Interesse am Handwerk, da fiel die Entscheidung schnell. Und ich arbeite gerne mit Holz."

Till Kattenbusch kommt aus einer Handwerkerfamilie. Vater Thorsten ist ebenfalls gelernter Tischlermeister. Der Sohn hatte in den Beruf schon im Schulpraktikum reingeschnuppert, vor dem Beginn seiner Ausbildung im Lehrbetrieb hospitiert. "Hier ist es sehr vielfältig", erklärt er. "Ich schätze den kleinen Betrieb – man macht viel selbst."

Aktuell arbeiten Jan Rüther und Till Kattenbusch an einem Einbauschrank für einen Kunden, der den Raum unter seiner Treppe nutzen möchte. Individuell gefertigte Möbel für Küche, Schlafzimmer und Wohnraum zeichnen den Betrieb aus.

"Wir bemühen uns ja immer, den Jungs früh eigene Projekte an die Hand zu geben", sagt Jan Rüther. "Sie sollen kreativ sein, selbst Entscheidungen fällen, wie sie die Arbeit umsetzen." Dazu gehört auch, eine Zeichnung mit Materialliste zu erstellen. So bekomme der Nachwuchs direkt das Gespür für das Objekt.

Tischlermeister Jan Rüther und Azubi Till Kattenbusch. Traumberufe Tischler 2026
Meister Jan Rüther bildet Till Kattenbusch aus. Foto: Markus Liesegang

Individueller Möbelbau, eine raumhohe Regalwand im Lesezimmer eines Privathaushalts, die Nutzung von Schrägen als Stauraum, die Mensa im Lounge-Stil beim Hammer Lackproduzenten Hesse Lignal oder die Möblierung von Studentenzimmern im Berufsförderungswerk – die Projekte des Handwerksbetriebs sind abwechslungsreich. "Die Aufgaben sind vielfältig, wir sind einer der wenigen verbliebenen Möbelbauer in Hamm", erklärt Ulrich Alpmann. Auf Kundenwunsch verarbeitet er das Holz eines Kirschbaums aus dem Garten seiner Kunden zu einem neuen Esstisch. Vom Garten in die gute Stube. Auch das kann der Rhynerner quasi garantieren. Er hat einen eigenen Wald im märchenhaften Reinhards-Wald, sucht die Eiche selbst aus und lässt sie in einem kleinen Sägewerk nach eigenen Vorstellungen sägen.

"Wir haben keine Probleme, Auszubildende zu finden", erklärt Ulrich Alpmann. Die Bandbreite seines Unternehmens lockt, es gibt sozusagen eine Warteliste an Bewerbern. Till Kattenbusch bewarb sich eineinhalb Jahre vor seinem Start in die Ausbildung.

"An erster Stelle steht ein erkennbares Interesse am Beruf", erläutert der Handwerksmeister. "Danach kommen technisches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und das Rechnen." Im Gegenzug bietet Alpmann modernste Maschinen, ein junges Team und von Beginn an Eigenverantwortung. "Natürlich kann der Auszubildende uns immer fragen", bekräftigt Jan Rüther. Eine Lösung werde stets gemeinsam gefunden.

Drei Antworten von...

...Andreas Schwienhorst, Obermeister der Tischler-Innung Hamm

Portrait Andreas Schwienhorst, Obermeister der Tischler-Innung Hamm

Warum lohnt es sich heute, gerade in Ihrem Handwerk einzusteigen – und was macht den Beruf besonders spannend?

Das Tischlerhandwerk verbindet wie kaum ein anderer Beruf traditionelle Handwerkskunst mit modernem, kreativem Denken. Wer bei uns einsteigt, arbeitet nicht am Fließband oder verbringt den Tag hinter einem anonymen Schreibtisch. Das Spannende ist das greifbare Ergebnis am Ende des Tages: Man sieht genau, was man mit den eigenen Händen und Verstand geschaffen hat – sei es ein maßgefertigtes Möbelstück, ein kompletter Innenausbau oder eine individuelle Raum- und Wohnlösung für unsere Kunden.

Es lohnt sich deshalb besonders, weil wir hier Problemlöser und Gestalter sind. Neben dem Hauptwerkstoff Holz arbeiten wir heute mit spannenden Materialkombinationen wie Glas, Metall und Kunststoffen. Es erfordert technisches Verständnis, Köpfchen und eine ordentliche Portion Fantasie. Die Kreativität und die Vielfalt machen den Beruf jeden Tag aufs Neue abwechslungsreich.

Wie verändert sich die Ausbildung im Tischler-Handwerk, damit Auszubildende bestens auf die Zukunft vorbereitet sind?

Die Ausbildung hat sich stark gewandelt, um den modernen Anforderungen der Betriebe und der Digitalisierung gerecht zu werden. Früher stand fast ausschließlich das klassische Handwerkszeug an der Werkbank im Vordergrund – das bleibt natürlich auch das Fundament, aber heute kommt viel mehr dazu.

In der Innung und in unseren Ausbildungsbetrieben legen wir großen Wert darauf, den Nachwuchs frühzeitig an moderne CAD-Planungssoftware, CNC-gesteuerte Maschinen und digitale Schnittstellen heranzuführen. Der Auszubildende von heute lernt nicht nur, wie man Holz von Hand bearbeitet, sondern auch, wie man digitale Zeichnungen erstellt, die direkt in den Fertigungsprozess einfließen. Dieses Zusammenspiel aus handwerklicher Präzision und technologischem Know-how sorgt dafür, dass unsere Gesellinnen und Gesellen bestens für die Zukunft gerüstet sind.

Welche neuen Technologien, Materialien oder digitalen Entwicklungen prägen heute den Berufsalltag der Tischler?

Der Berufsalltag ist heute ohne moderne Technologien und digitale Werkzeuge gar nicht mehr denkbar. Das fängt bei der Planung an: Wir entwerfen komplexe Innenausbau-Projekte und Möbel am Rechner in fotorealistischer 3D-Ansicht, was die Absprache mit den Kunden enorm erleichtert. Diese Daten werden dann direkt an unsere CNC-Bearbeitungszentren übergeben, wo millimetergenaue Zuschnitte und Fräsungen erfolgen.

Auch bei den Materialien hat sich einiges getan. Holz bleibt natürlich unsere Nummer eins, aber wir verarbeiten zunehmend smarte Verbundwerkstoffe, hochfunktionelle Beschichtungen oder moderne Plattenwerkstoffe, die besonders langlebig und ressourcenschonend sind. Diese Mischung aus hochpräziser Maschinentechnik und handwerklichem Feingefühl macht den Reiz unseres Handwerks aus: Die Maschine übernimmt die schwere, monotone Arbeit, während der Mensch seine Kreativität und sein handwerkliches Geschick im Detail einbringt.

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