"Wir machen alles, was mit Holz zu tun hat", fasst Tischler- und Zimmerermeister Gregor Tuneke das Leistungsspektrum seines Handwerksbetriebs zusammen. "Das reicht von individuell gefertigten Möbeln über Fenster, Türen und Treppen bis zu kompletten Wohnkonzepten und genau diese Vielfalt ist es, die unseren Beruf so interessant macht, denn jedes Projekt ist einzigartig."

Ein im wahrsten Sinne des Wortes großer Auftrag hat gerade erst die Werkstatt in der Günner Straße 1 im beschaulichen Möhnesee-Hewingsen verlassen. "Wir haben ein 5,40 x 5,40 Meter großes Holztor für eine Scheune angefertigt und das dann auf dem Bauernhof montiert." Ein weiteres besonderes Projekt, das derzeit in den Startlöchern steht, ist ein Tisch, der aus naturbelassenen Bohlen hergestellt wird und bei dem die Zwischenräume und mögliche Astlöcher anschließend mit transparentem Harz ausgegossen werden.

Louis Becker (vorne) und Lukas Schrage an der CNC-gesteuerten Tischfräse. Traumberufe Tischler 2026
An der CNC-gesteuerten Tischfräse fräst der angehende Tischler Louis Becker einen Einsatz für eine Schubladenfront, während ihm Geselle Lukas Schrage dabei über die Schulter schaut. Foto: Gabi Bender

Parallel zu den Aufträgen, die in der Werkstatt gefertigt werden, war der staatlich geprüfte Holztechniker mit seinem Team immer wieder auf einer Baustelle in Soest im Einsatz. "Wir haben die Tochter eines langjährigen Kunden tatkräftig dabei unterstützt, das Haus aus den 1930er Jahren, das sie mit ihrem Mann gekauft hat, fachmännisch zu renovieren. Unter anderem haben wir die historischen Zimmertüren restauriert und die alten Böden abgeschliffen und renoviert."

Denn das Erhalten von Werten ist dem Handwerksmeister, der den Familienbetrieb mittlerweile in der fünften Generation führt, sehr wichtig. Daher übernimmt er mit seinem Team auch große und kleine Reparaturen. "Für mich ist es selbstverständlich, nicht nur bei neuen Projekten für unsere Kunden da zu sein, sondern auch dann, wenn zum Beispiel eine Tür schleift oder ein Fenster hakt."

Zum Team der Tischlerei Tuneke, die Adolph Tuneke im Jahr 1870 gegründet hat, gehören derzeit zwei Gesellen und ein Azubi. "Mir hat es schon immer Spaß gemacht, mit Holz zu arbeiten, daher habe ich 2023 meine Ausbildung zum Tischler hier angefangen", erzählt Lukas Schrage, der im Sommer seine Gesellenprüfung erfolgreich absolviert hat. Diese umfasst einen schriftlichen Teil, eine praktische Handprobe sowie ein Gesellenstück.

Tischler Lukas Schrage bearbeitet ein Stück Holzbrett. Traumberufe Tischler 2026
Im Sommer hat Tischler Lukas Schrage erfolgreich seine Gesellenprüfung absolviert. Foto: Gabi Bender

"Als Gesellenstück habe ich ein etwa hüfthohes, 1,60 Meter breites Sideboard angefertigt – mit Glaselementen sowie verschiedenen Rahmen und Holzverbindungen", so der 19-Jährige. "Bei der Gestaltung des Gesellenstücks und der Materialwahl sind die Azubis schon recht frei", erklärt Gregor Tuneke, der in seiner Werkstatt hauptsächlich heimische Hölzer wie Buchen, Eichen, Lärchen und Kiefern verarbeitet. "Allerdings haben sie technische Vorgaben, denn das Gesellenstück muss natürlich gewisse Anforderungen erfüllen", ergänzt der Tischlermeister. "Wie und wo die an dem Gesellenstück erfüllt werden, können die Azubis aber selbst entscheiden."

Im kommenden Jahr würde der Hewingser gerne eine weitere Tischler-Nachwuchskraft einstellen. Mitbringen sollte diese logisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen, technisches Verständnis und vor allem Spaß am Arbeiten.

Drei Antworten von...

...Christian Schuster, Obermeister der Tischler-Innung Soest-Lippstadt

Portrait Obermeister Christian Schuster

1. Warum lohnt es sich heute, gerade im Tischlerhandwerk einzusteigen – und was macht den Beruf besonders spannend?

Ganz einfach - am Ende des Tages sieht man, was man geschaffen hat. Ein Tischler plant und baut Dinge, die Menschen jahrzehntelang nutzen: Möbel, Küchen, Treppen bis hin zur kompletten Inneneinrichtung für Objekte. Kaum ein Beruf verbindet Kreativität, Technik und echtes Handwerk so stark. Für mich ist es immer noch ein Traumberuf. Neben der Weiterbildung zum Meister oder Techniker ist auch der Gesellenbrief ein vollwertiger Abschluss. Man muss nicht Meister werden, um erfolgreich und zufrieden zu sein. Gute Gesellinnen und Gesellen sind das Rückrad eines jeden Betriebes. Dazu kommt, eine Tischlerausbildung „made in Germany“ hat weltweit einen hervorragenden Ruf. Wer hier ausgebildet wurde, ist überall willkommen. Und das Schönste an unserem Beruf: Was man sich vorstellen kann, kann ein Tischler auch bauen. Es tut mir leid, das so sagen zu müssen, aber genau deshalb wohnen wir Tischler auch schöner. 😉

2. Wie verändert sich die Ausbildung im Tischlerhandwerk, damit Auszubildende bestens auf die Zukunft vorbereitet sind?

Die Ausbildung wird digitaler, praxisnäher und moderner. Dafür haben wir hier die besten Voraussetzungen. Mit dem neuen Bildungszentrum schaut das Handwerk in ganz Deutschland gerade nach Soest und unsere Tischler-Azubis werden dort bereits geschult. Das ist ein echter Glücksfall. Wir haben eine starke Kreishandwerkerschaft, die das möglich macht. Andere Gewerke müssen für ihre überbetrieblichen Lehrgänge teils weite Fahrten in Kauf nehmen, unsere Azubis lernen praktisch vor der Haustür in einem der modernsten Bildungszentren des Landes. Digitale Planung, CNC-Technik und moderne Fertigungsabläufe gehören heute zur Ausbildung. Leider verschwinden dabei Hobel und Stecheisen, die so eng mit unserem Berufsbild verbunden waren, immer mehr aus dem Arbeitsalltag. Umso wichtiger ist mir, dass die Tradition nicht verloren geht. Wer das Holz mit der Hand versteht, arbeitet auch an der Maschine besser. So lernen unsere Azubis schon heute, wie morgen gearbeitet wird, ohne zu vergessen, wo wir herkommen.

3. Welche neuen Technologien, Materialien oder digitalen Entwicklungen prägen heute den Berufsalltag im Bereich der Tischler?

Die Technik in unseren Werkstätten entwickelt sich rasant. Moderne, computergesteuerte Maschinen sind heute Standard und der nächste Schritt zeichnet sich bereits ab: Ich bin überzeugt, wer 2027 seine Ausbildung beginnt, wird noch vor dem Ende der Lehrzeit erleben, dass erste Betriebe humanoide Roboter einsetzen. Beim Material bleiben wir unseren Wurzeln treu, denn: Unser wichtigster Werkstoff wächst nach. Nachhaltigkeit fordert nicht nur die Kundschaft, wir hinterfragen sie aus eigenem Antrieb. Unsere Produkte sind langlebig und schon allein deshalb nachhaltiger als Massenware. Und natürlich ist auch bei uns die künstliche Intelligenz angekommen. Sie gehört inzwischen mit in den Werkzeugkasten und macht uns effizienter. Das Tischlerhandwerk war schon immer offen für neue Technik. Genau das macht es so zukunftssicher.

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