Den Begriff "Spaß" verbinden wohl die wenigsten Menschen mit einer Prüfung. Nicht so Wladimir Miller, der sich derzeit im Endspurt seiner dreijährigen Ausbildung zum Maler befindet. "Die Zwischenprüfung hat mir schon sehr viel Spaß gemacht", erinnert sich der 22-Jährige, "und jetzt freue ich mich auf die Gesellenprüfung."
Nachdem im vergangenen Jahr ein Wellness-Bereich gestaltet werden musste, ist die Aufgabe bei der diesjährigen Gesellenprüfung der Entwurf einer Malerakademie. Am Mittwoch haben die Azubis im dritten Lehrjahr das Thema erhalten und jetzt haben sie sechs Wochen Zeit, ihr persönliches Gestaltungskonzept zu entwerfen. "Ich finde es toll, so kreativ zu sein", sagt Wladimir Miller. "Für die Prüfung setzen wir verschiedene Techniken bei der Wandgestaltung ein, wählen passende Farben, Tapeten und weitere Materialien aus und können auch Muster, Schriftzüge und weitere Elemente einbauen."

Am 22. Juni steht dann zunächst die theoretische Gesellenprüfung an, bevor einen Tag später die praktischen und kreativen Fähigkeiten gefragt sind. Nach zwei Vorbereitungstagen haben die Prüflinge 20 Stunden Zeit, ihre sogenannte Box themengerecht zu gestalten. "Das ist ein straffer Zeitplan, aber es ist machbar." Zumal der Nachwuchs das Arbeiten in Boxen gewohnt ist, denn während der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) im Berufsbildungszentrum (BBZ) in Arnsberg hat jeder seine eigene Box, die aus drei Wänden besteht, und in der er seine Fähigkeiten und Fertigkeiten trainiert und verfeinert.
"Die ÜLU sorgt unter anderem dafür, die hohe Qualität der Ausbildung zu gewährleisten, denn in den meist einwöchigen Lehrgängen im BBZ lernen die Azubis auch Techniken, die sie im Betrieb eher selten oder auch gar nicht ausführen müssen – zum Beispiel, weil sie nicht so häufig gefragt sind oder sich ein Betrieb auf andere Techniken spezialisiert hat", erläutert Malermeister Wilhelm Tillmann, Inhaber des Mescheder Malerbetriebs, bei dem Wladimir Miller seine Ausbildung absolviert.

Dabei wusste der Olsberger nach der Schule zunächst nicht, was er werden wollte. "Mein Vater hat mich auf die Idee gebracht, in drei Jahren den Malerberuf zu erlernen", blickt der Olsberger zurück. "Und diese Entscheidung war für mich genau richtig, denn wir können sehr kreativ arbeiten, haben immer wieder andere Projekte und wir sehen am Ende des Tages, was wir geschafft haben. Außerdem sind das Bauwesen und das Handwerk die Säule unserer Gesellschaft und es ist ein schönes Gefühl, ein Teil davon zu sein."
Privat hat der 22-Jährige, der am liebsten draußen tätig ist und gerne Fassaden- und Lasurarbeiten macht, seine Kenntnisse und Fähigkeiten auch schon einsetzen können. "Mein Vater und ich haben zu Hause Wände verputzt und gestrichen und auch schon Böden verlegt", verrät Wladimir Miller und ergänzt: "Ich habe einiges von meinem Vater, der Handwerksmeister ist, gelernt, habe mir aber auch einiges auf unseren Baustellen abgeschaut, denn dort sind meist Handwerker mehrerer Gewerke im Einsatz."
Für die Zeit nach seiner Ausbildung hat Wladimir Miller schon einen konkreten Plan. "Ich würde gerne mein Fachabi nachholen, was ich als Geselle in nur einem Jahr machen kann, und dann die Möglichkeit wahrnehmen, nach mindestens drei Gesellenjahren noch ein Studium im Bauwesen dranzuhängen."




