Mit einem kleinen Geschäft für Grabsteine, das Steinmetzmeister Hans Schütte nach seiner Tätigkeit im Anröchter Steinbruch übernommen hat, begann die Erfolgsgeschichte des Werler Unternehmens Naturstein Schütte. Das liegt jetzt 50 Jahre zurück.

Geführt wird der Fachbetrieb an der Soester Straße 38 mittlerweile von Hans-Dieter Schütte. Der Steinmetzmeister hat das Handwerk bei seinem Vater von der Pike auf gelernt, bevor ihm dieser 1995 die Geschäftsführung übertrug. Die Begeisterung für das Steinmetzhandwerk liegt offensichtlich in der Familie, denn mit Karsten Schütte arbeitet nicht nur der Sohn des 68-jährigen Geschäftsführers in dem Familienbetrieb, sondern auch sein Enkel Christian Schütte. Der 16-Jährige trat im August vergangenen Jahres in die Fußstapfen seiner Vorväter, indem er sich dafür entschied, die Ausbildung zum Steinmetz im elterlichen Betrieb zu absolvieren.

Christian Schütte (links) und Karsten Schütte programmieren die CNC-gesteuerte Fräse. Traumberufe Steinmetz 2026
Um eine Arbeitsplatte auf das richtige Maß zu bringen, programmiert Christian Schütte (links), beobachtet von seinem Vater Karsten Schütte, die CNC-gesteuerte Fräse. Foto: Gabi Bender

In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich der Familienbetrieb im Kreis Soest und darüber hinaus als feste Größe etabliert – nicht nur für Grabmale, sondern auch für Küchenarbeitsplatten, Fensterbänke, Waschtische, Treppen und Terrassenplatten. "Wir haben mit Grabsteinen angefangen, aber haben – da wir die Halle und unsere Maschinen dafür hatten – auch immer schon mal kleine Steine für Treppen oder Ähnliches geschnitten", erinnert sich Hans-Dieter Schütte. "Später haben wir dann auch mit Küchenarbeitsplatten angefangen und das Geschäft hat sich so entwickelt, dass diese seit geraumer Zeit sogar mehr als die Hälfte unserer Arbeit ausmachen."

Ein Grund dafür ist die Grabkultur, die sich komplett verändert hat. "Wo wir früher noch große Doppelsteine gemacht haben, sind es heute eher eine Tafel oder betende Hände sowie Urnenplättchen, die gefragt sind", erklärt Steinmetz Karsten Schütte. "Daher war für uns gut, dass wir bereits frühzeitig mit Gräbern und Küchen auf zwei Standbeine gesetzt haben."

Bei der Umsetzung der Kundenwünsche der Privat- und Geschäftskunden ist traditionelles Handwerk ebenso wichtig wie modernste Technik. "Für alles, was wir anfertigen, müssen wir erst einmal Maß nehmen, was wir komplett mit digitalen Messgeräten machen", so Hans-Dieter Schütte. "Im Anschluss daran werden die Maße weiterverarbeitet und daraus die entsprechenden Zeichnungen angefertigt, bevor die Daten zur Säge geschickt werden, wo wir die Platten auf das richtige Maß schneiden."

Steinmetzmeister Ulli Steemann schleift in der Halle des Werler Traditionsbetriebs Naturstein Schütte einen Grabstein. Traumberufe Steinmetz 2026
Steinmetzmeister Ulli Steemann schleift in der Halle des Werler Traditionsbetriebs Naturstein Schütte einen Grabstein. Foto: Gabi Bender

Bei Küchenarbeitsplatten kommen bei dem Werler Meisterbetrieb meist Naturstein, Granit, Keramik und Quarzkomposit zum Einsatz. Einen Eindruck über die vielfältigen Möglichkeiten bei Farben und Oberflächen bietet die Ausstellung am Firmensitz in der Soester Straße 38. Bei Grabsteinen arbeitet das erfahrene Team gerne mit heimischen Materialien wie Anröchter Sandstein, ordert und verarbeitet auf Wunsch aber auch Steine aus aller Welt.

Diese Vielfalt macht die Arbeit bei Naturstein Schütte abwechslungsreich. Wer sich für den Beruf des Steinmetzes interessiert, kann Beruf und Betrieb im Rahmen eines Praktikums kennenlernen. "Mitbringen sollten Bewerber handwerkliches Geschick, Geduld, ein gewisses Maß an Kreativität sowie räumliches Sehen und Denken", sagt Hans-Dieter Schütte. "Denn wir zeichnen mittlerweile alle Entwürfe für Grabanlagen und Küchenarbeitsplatten mit CAD-Programmen und visualisieren sie in 3D", so Karsten Schütte, "damit sich unsere Kunden diese besser vorstellen können."

Drei Antworten von...

...Christoph Determann, Obermeister der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Hellweg-Lippe

Christoph Determann, Obermeister der Bildhauer- und Steinmetz-Innung Hellweg-Lippe

Warum lohnt es sich heute, gerade in Ihrem Handwerk einzusteigen – und was macht den Beruf des Bildhauers und Steinmetzes besonders spannend?

Unser Beruf ist unglaublich vielseitig. Naturstein begegnet uns im Alltag überall – von Küchenarbeitsplatten und Bädern über Grabmale, Fußböden und Fassadenverkleidungen bis zur Kirchenrestaurierung oder der freien Bildhauerei. Genau diese Vielfalt macht den Beruf so spannend. Man arbeitet mit einem natürlichen und langlebigen Material und kann dabei sowohl kreativ als auch handwerklich arbeiten. Je nach eigenen Interessen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, sich im Beruf zu verwirklichen.

Wie verändert sich die Ausbildung in Ihrem Handwerk, damit Auszubildende bestens auf die Zukunft vorbereitet sind?

Unsere Ausbildung basiert nach wie vor auf jahrhundertealten Techniken der Steinbearbeitung. Dieses traditionelle handwerkliche Können ist und bleibt die Grundlage unseres Berufs. Gleichzeitig hat sich das Handwerk weiterentwickelt. Der Umgang mit modernen Maschinen, elektrischen Werkzeugen sowie Planungs- und Konstruktionsprogrammen gehört heute selbstverständlich zur Ausbildung und später auch zum Arbeitsalltag. Tradition und moderne Technik werden miteinander verbunden. Genau das macht den Beruf zukunftsfähig und bietet jungen Menschen die Möglichkeit, klassisches Handwerk mit modernen Arbeitsweisen zu verbinden.

Welche neuen Technologien, Materialien oder digitalen Entwicklungen prägen heute den Berufsalltag der Bildhauer und Steinmetze?

Auch in einem der ältesten Handwerke hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Sägen und Bearbeitungszentren arbeiten beispielsweise mit CAD-Unterstützung und können komplexe Teile aus Naturstein weitgehend automatisch fertigen. Schriftentwürfe, neue Grabmalformen oder Bauteile werden digital am Computer gezeichnet und geplant. Auch Fotovorlagen können mithilfe von Lasertechnik in die Oberfläche von Naturstein graviert werden. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl technischer Hilfsmittel, die die Arbeit erleichtern und ein körperschonenderes Arbeiten ermöglichen. Damit verbindet unser Handwerk heute jahrhundertealte Handwerkskunst mit moderner Technik – und genau diese Kombination macht den Beruf auch für die Zukunft interessant.

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