Kein Studium, sondern Handwerk – das stand für Anna Sophia Flakowski schon relativ früh fest. Doch bei der Frage, ob sie sich während ihrer Ausbildung mit Hölzern, Metallen, Stoffen, Farben oder Steinen beschäftigen wolle, half ihr der Zufall. "In der neunten Klasse habe ich ein zweiwöchiges Praktikum beim Familienunternehmen R. Wöhrle in Hamm gemacht und dabei ganz viel an Steinen gehauen", erinnert sich die 20-Jährige. "Dabei habe ich gemerkt, wie viel Spaß mir diese Arbeit macht."
Zu ihren Lieblingssteinen gehört Anröchter Naturstein. "Der ist nicht so hart, so dass man ihn noch gut in Handarbeit hauen kann", so Anna Sophia Flakowski weiter. "Bei härteren Steinen muss man dagegen mit Druckluft arbeiten, um sie zu gestalten." Seit August ist sie im letzten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Steinbildhauerin. Ihre Gesellenprüfung steht zwar erst im Juni 2027 auf dem Programm, aber zumindest gedanklich beschäftigt sich die angehende Steinbildhauerin schon jetzt damit.

"Wir müssen unter anderem eine schriftliche Prüfung absolvieren und ein Gesellenstück präsentieren", erklärt Anna Sophia Flakowski. "Dafür modellieren die Azubis etwas Bildhauerisches aus Ton, gießen es in Gips ab, übertragen das Modell dann 1:1 mit einem Punktiergerät auf den gewählten Stein, aus dem so das Gesellenstück entsteht", erläutert Daniela Clever. Die Steinmetz- und Steinbildhauermeisterin hat 2011 bei dem Familienunternehmen angefangen und kümmert sich in dem fast 125 Jahre alten Betrieb seitdem unter anderem um die Ausbildung des Nachwuchses.
Da Anna Sophia Flakowski noch keinerlei Erfahrung mit dem Punktiergerät hat, möchte sie jetzt erst einmal ein Probestück machen und sich dabei schon mal überlegen, wie ihr Gesellenstück aussehen soll. Praktische Erfahrung im Hauen von Steinen hat sie in den vergangenen zwei Jahren wohl schon mehr gemacht als die meisten aus ihrem Jahrgang. Denn das erste Lehrjahr hat die 20-Jährige übersprungen. "Das war in ihrem Fall möglich, weil sie Abitur hatte und ein Jahrespraktikum bei uns gemacht hat", verrät Daniela Clever. "Daher haben wir ihr locker zugetraut, dass sie die Ausbildung auch dann schafft, wenn sie erst im zweiten Lehrjahr einsteigt."
Neben der Berufsschule, dem Albrecht-Dürer-Berufskolleg in Düsseldorf, besucht Anna Sophia Flakowski mehrmals im Jahr die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum (ÜAZ) in Holleben. "Dort lernen und üben wir das, was wir als Steinmetze beziehungsweise Steinbildhauer können müssen", erläutert die 20-Jährige. "Denn hier im Betrieb mache ich nur Grabsteine und habe daher nicht die Möglichkeit, eine Treppe zu fertigen oder Boden zu verlegen. Das lerne ich dann bei der Überbetrieblichen von Meistern, die darauf spezialisiert sind."

Absoluter Experte ist der Ausbildungsbetrieb in der Münsterstraße 167 dagegen in Sachen Natursteinen, denn über viele Jahre hat die Familie einen Naturstein-Großhandel betrieben. "Vor etwa 20 Jahren haben wir uns dazu entschieden, uns wieder mehr auf den regionalen Bereich zu konzentrieren", sagt Mario Wöhrle. "Seitdem sind Grabsteine und Grabanlagen wieder unser Hauptgeschäft, wobei wir seit einiger Zeit auch Restaurierungen machen."
Wer sich für die Berufe Steinmetz oder Steinbildhauer interessiert, sollte "handwerkliches Geschick, Kreativität und eine gewisse künstlerische Veranlagung mitbringen", zählt Daniela Clever auf. "Außerdem sollte man Interesse an dem Material haben", ergänzt Anna Sophia Flakowski, "denn jeder Stein ist anders und bietet vielfältige Bearbeitungsmöglichkeiten."






