Was weg ist, ist weg. Dieser Spruch bringt die Herausforderung, der sich Steinmetze bei jedem neuen Projekt stellen, auf den Punkt. Denn ein einziger Schlag im falschen Winkel oder mit zu viel Kraft ausgeführt kann die gesamte bisherige Arbeit zunichtemachen.

Um einen Stein in eine gewünschte Form zu bringen, braucht es neben Geduld und Ausdauer sowie dem nötigen Fingerspitzengefühl auch jede Menge Erfahrung. Diese sammeln die Nachwuchs-Steinmetze unter anderem während ihrer überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU). "In unserem ersten zweiwöchigen Lehrgang im Steinmetz-Steinbildhauer-Zentrum in Holleben haben wir aus einem sehr kompakten Stein eine Fläche gehauen", erzählt Christian Schütte, der im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung ist. "Zum Ende hin haben wir dann damit angefangen, eine Fase – also eine abgeschrägte Kante – zu machen. Im zweiten Lehrgang mussten wir ein Profil mit verschiedenen Elementen herausarbeiten."

Christian Schütte steuert eine CNC-Fräse. Traumberufe Steinmetz 2026
Christian Schütte, dessen Urgroßvater den Natursteinbetrieb in Werl gegründet hat, besitzt bereits einige Erfahrung bei der Bedienung der CNC-Fräse. Foto: Gabi Bender

Auch in dem Werler Traditionsbetrieb Naturstein Schütte, in dem der 16-Jährige seine Ausbildung macht, hat er mit der Basis angefangen – dem Bearbeiten von Steinen mit Handwerkzeugen wie Hammer und Meißel. An sein erstes Projekt kann er sich noch sehr gut erinnern "Ich habe aus Marmor eine Vogeltränke und drumherum eine Schlange gearbeitet", berichtet der Anröchter voller Stolz. "Eine Fläche habe ich frei gelassen, auf der ich dann einen von mir gearbeiteten Vogel gesetzt habe."

Parallel zur Praxis im Betrieb und in der ÜLU besuchen die Steinmetz-Azubis blockweise die Berufsschule: das Hans-Schwier-Berufskolleg in Gelsenkirchen-Buer. Dort steht jede Menge Theorie auf dem Stundenplan. "Am Anfang mussten wir erst einmal die Fachbegriffe lernen – zum Beispiel von Werkzeugen und den Tätigkeiten, die wir ausüben, sowie rund um die verschiedenen Gesteinsarten", so Christian Schütte. "Danach haben wir eine Projektmappe über eine Natursteinmauer in Gruppenarbeit angefertigt, wobei jede Gruppe ein anderes Mauerwerk hatte. In der Mappe haben wir alles Wichtige aufgeschrieben – zum Beispiel welche Werkzeuge benötigt werden, wie die Fugen aussehen und welcher Mörtel dafür verwendet wird." Auch technisches Zeichnen wird an der Schule unterrichtet – ebenso wie das Erstellen verschiedener Schriften.

Im Showroom wählen Steinmetz Karsten Schütte (links) und sein Sohn, Steinmetz-Azubi Christian Schütte, das Material für eine Arbeitsplatte aus. Traumberufe Steinmetz 2026
Dritte und vierte Generation des Familienbetriebs im Austausch: Im Showroom wählen Steinmetz Karsten Schütte (links) und sein Sohn, Steinmetz-Azubi Christian Schütte, das Material für eine Arbeitsplatte aus. Foto: Gabi Bender

Während seiner dreijährigen Ausbildung verbringt der 16-jährige Nachwuchs-Steinmetz die meiste Zeit in seinem Ausbildungsbetrieb. "Mein Arbeitstag beginnt um 8 Uhr und was dann gemacht wird, ist immer unterschiedlich", erzählt Christian Schütte. "Heute habe ich beispielsweise als Erstes die CNC-gesteuerte Fräse vorbereitet und programmiert, auf der anschließend eine Quarzarbeitsplatte auf Maß geschnitten worden ist." An anderen Tagen erstellt der Anröchter Skizzen oder 3D-Visualsierungen von Grabstätten, schleift oder poliert Steine, sandstrahlt Schriften oder Symbole oder hilft beim Aufstellen von Grabanlagen.

Auch ein Kundengespräch durfte der 16-Jährige schon führen. "Der Kunde hatte eine Urnenplatte in Auftrag gegeben, für die er eine Vorlage mitgebracht hatte", erinnert sich Christian Schütte. "Ich habe ihm dann eine alternative Schrift gezeigt und noch ein Ornament hinzugefügt, was ihm beides sehr gut gefallen hat. Das war schon ein tolles Gefühl."

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