Nor Ali war auf dem besten Wege, Krankenschwester zu werden, bis sie während ihres einmonatigen Praktikums in ihrem Wunschberuf feststellte, dass dieser doch nicht der richtige für sie ist. "Friseurin war nur mein Plan B", erzählt die 18-Jährige, "aber da ich schon als Kind gerne meine Puppen frisiert habe und meiner Mutter die Haare färbe und die Spitzen schneide, habe ich mich kurzfristig entschieden, in diesem Beruf ein Praktikum zu machen." Dieses Mal reichte bereits ein Tag aus, um zu wissen, dass sie sich richtig entschieden hatte.
Auch Daria Vorontsova hatte bereits einen anderen Weg eingeschlagen, als sie sich entschloss, Friseurin zu werden. "Bevor ich vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen bin, habe ich in Russland Wirtschaft studiert." Als die 25-Jährige nach ihrer Ankunft eine Arbeit suchte, sollte es eine sein, bei der sie nicht nur am Schreibtisch sitzt. "Zudem wollte ich etwas machen, bei dem ich direkt sehen kann, was ich geschafft habe", sagt die Dortmunderin." Ihr Freund empfahl ihr schließlich den Salon von Tim Wagener in der Friedensstraße in Schwerte, wo er selbst zufriedener Kunde ist.

Seit August machen Nor Ali und Daria Vorontsova dort ihre Ausbildung zur Friseurin. Im kommenden Frühjahr steht die Gesellenprüfung Teil 1 an – die ehemalige Zwischenprüfung. "Früher war sie eine reine Lernstandskontrolle, seit der Neustrukturierung fließt ihr Ergebnis zu 25 Prozent in die Gesamtnote ein", erklärt Tim Wagener, der Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss und Lehrlingswart ist. "Im Teil 1 geht es eher um Techniken des klassischen Friseurhandwerks, in Teil 2 stehen moderne Schnitte und aktuelle Trends im Vordergrund."
Zeigen müssen die angehenden Friseure in der praktischen Prüfung Teil 1 jeweils einen klassischen Damen- und Herrenschnitt. Außerdem müssen sie Augenbrauen zupfen und färben sowie eine Dauerwelle wickeln.
In der praktischen Prüfung am Ende der Ausbildung ist neben den fachlichen Fertigkeiten deutlich mehr Kreativität gefragt. Denn der Nachwuchs darf die Schnitte für sein Damen- und sein Herrenmodell selbst wählen – Hauptsache modern. "Beim dritten Modell – einer weiteren Dame – müssen die Azubis unter Beweis stellen, dass sie Haare nicht nur schneiden und stylen, sondern auch professionell färben können. Hinzukommt eine weitere Aufgabe, für die sich die Azubis vorab eines der vier Module Haarverlängerung, Kosmetik, Coloration oder Hochsteckfrisur aussuchen.

"Jeweils ein paar Monate vor den Prüfungen machen wir einen Prüfungsabend, zu dem alle Prüflingen eingeladen werden", sagt Lehrlingswart Tim Wagener. "Bei diesem wird erklärt, wie die Prüfungen ablaufen und mögliche Fragen der Azubis beantwortet." Als Lehrlingswart ist Tim Wagener auch in anderen Angelegenheiten erster Ansprechpartner für den Nachwuchs. "Ich vermittle beispielsweise zwischen Azubi und Ausbildungsbetrieb, wenn es Unstimmigkeiten gibt, und unterstütze den Nachwuchs dabei, wenn er den Betrieb wechseln möchte." Das kommt immer mal wieder vor, denn manchmal ändern sich die Umstände.
"Eine Auszubildende hatte sich beispielsweise mal an mich gewendet, weil die Ausbilderin nur noch selten im Betrieb war und ihre zwei Mitarbeiterinnen kaum Zeit hatten, der Auszubildenden etwas beizubringen", erzählt Tim Wagener. "Nach einigen Gesprächen haben wir sie daher in einem anderen Betrieb untergebracht, in dem sie rundum zufrieden ist und wieder Spaß an der Ausbildung zur Friseurin hat."







