Erst ein Jahrespraktikum in einem handwerklichen Betrieb, dann ein Jahr Schule – so wollte Finn Seiger sein Fachabi am Börde-Berufskolleg machen. Doch daraus wurde nichts, denn die Arbeit in der Werkstatt im Autohaus Göttgens begeisterte den 20-Jährigen so sehr, dass er sich entschied, statt des Fachabis direkt eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker zu machen.

Mittlerweile ist Finn Seiger im dritten Lehrjahr und hat seine Entscheidung nicht einen Tag bereut. "Ich wollte schon immer irgendetwas Handwerkliches machen, weil man dort schnell sieht, was man geschafft hat – mit seinen eigenen Händen." Und Autos haben ihn schon immer interessiert. "An meinem eigenen Auto mache ich sehr viel selbst." Daher kommt ihm das, was er in seiner Ausbildung lernt, auch privat zugute.

Traumberufe Kfz-Mechatroniker 2026
Mit einem Multimeter prüft der 20-jährige Finn Seiger, ob die Ladespannung nach einem Marder-Schaden noch vorhanden ist. Foto: Gabi Bender

Der Arbeitstag im Betrieb beginnt für den angehenden Kfz-Mechatroniker um 8 Uhr. "Dann hole ich mir bei Andreas Bernhardt, unserem Werkstattmeister, einen Auftrag ab." Die zu erledigenden Arbeiten reichen vom einfachen Reifenwechsel über verschiedene Sicherheitschecks bis zur komplexen Fehlerdiagnose. "Im ersten Lehrjahr lernen unsere Azubis erst einmal die Basics und haben dabei immer jemanden an ihrer Seite", erklärt Andreas Dringenberg, Kfz-Meister und Serviceleiter der Göttgens-Gruppe.

"Spätestens im zweiten Lehrjahr kommen dann Aufgaben – wie kleine Service-Arbeiten – hinzu, die die Azubis auch schon selbstständig durchführen. Dabei bauen wir ihr Wissen und ihre Fähigkeiten auf, so dass sie nach und nach auch komplexere Aufträge erhalten wie beispielsweise das Wechseln von Bauteilen."

Zu den schwierigsten Aufgaben zählt die Fehlerdiagnose. Mit dem Auslesen des Fehlerspeichers, dem Deuten von Fehlercodes sowie der entsprechenden Reparatur sind die Azubis relativ früh vertraut, denn das Auslesen wird vorsorglich bei jeder Wartung eines Fahrzeugs gemacht. Wenn damit das Problem, das ein Kunde schildert, aber noch nicht behoben ist, kann es schon mal knifflig werden.

Traumberufe Kfz-Mechatroniker 2026
Kfz-Meister Andreas Dringenberg (links) bespricht mit Azubi Finn Seiger einen neuen Auftrag für eine Reparatur. Foto: Gabi Bender

Hier sind neben der Erfahrung und dem Wissen, das in der Ausbildung erworben wird, auch Ehrgeiz und Geduld gefragt. Weitere Eigenschaften, die Andreas Dringenberg bei Nachwuchskräften schätzt, sind Zuverlässigkeit, Ordnung und Ehrlichkeit. "Wir pflegen hier eine offene Fehlerkultur", erläutert Andreas Dringenberg. "Wenn etwas passiert ist, was immer mal sein kann, ist es uns wichtig, darüber zu sprechen, damit es kein zweites Mal passiert."

Der Nachwuchs arbeitet in der Werkstatt an der Werler Landstraße immer unter Aufsicht, denn Sicherheit wird bei Göttgens großgeschrieben. "Bei uns wird jedes Auto, bevor es rausgeht, von einem Meister abgenommen", sagt Andreas Dringenberg, der 1990 selbst als Azubi in dem Soester Autohaus angefangen hat. Derzeit machen sieben Nachwuchskräfte bei der Göttgens-Gruppe, die über 80 Mitarbeiter – darunter sechs Kfz-Meister – beschäftigt, die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker.

Neben der Arbeit im Betrieb besucht Finn Seiger die Berufsschule und absolviert im Rahmen der überbetrieblichen Ausbildung die einwöchigen Lehrgänge in Berufsbildungszentrum in Soest. Dort lernen und vertiefen die Nachwuchskräfte all das, was auch in den Prüfungen vorkommt, damit sie darauf bestens vorbereitet sind.

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