Ein besonderer Tag ist der 17. Juli für Vitus Hanfland schon immer. Doch in diesem Jahr dürfte der Geburtstag des Olsbergers noch außergewöhnlicher ausfallen. Denn an dem Freitag hat der angehende Kfz-Mechatroniker seine praktische Gesellenprüfung Teil 1 – früher Zwischenprüfung genannt – und zu dieser dürfte der dann 18-Jährige sogar erstmals ohne Begleitung mit dem Auto fahren.
Den Theorie-Prüfungsteil hat er bereits Ende Mai absolviert. „Es gab mehrere Aufgaben. Eine bestand darin, die einzelnen Bauteile beim Auto zu benennen und deren Funktionsweise zu erklären. Bei einer anderen mussten wir angeben, wie viel Volt wir bei einer Messung an bestimmten Stellen erwarten würden“, berichtet Vitus Hanfland und gibt direkt ein Beispiel: „Bei Steuergeräten liegen meist etwa fünf Volt und an der Batterie über zwölf Volt, wobei dieser Wert höher ist, wenn der Wagen läuft.“

Foto: Gabi Bender
Jetzt fehlt noch die praktische Prüfung im Berufsbildungszentrum in Arnsberg und die wird spannend, denn neben Arbeiten am Starter und am Generator sowie dem Anklemmen einer Rückleuchte wird es auch eine Fehlersuche geben. „So eine Fehlersuche kann ganz schön anstrengend sein“, sagt Louis Hahn aus eigener Erfahrung, „da muss man auch schon mal um die Ecke denken können.“ Der Kfz-Meister arbeitet mit Vitus Hanfland beim 1964 gegründeten Autohaus Kramer in Olsberg und hat schon unzählige Fehler gefunden und behoben – auch gemeinsam mit dem Azubi.
Für den Winterberger sind daher neben technischem Verständnis Geduld und Kreativität wichtige Eigenschaften, die der Nachwuchs mitbringen sollte, wenn er Kfz-Mechatroniker werden möchte. Dazu ergänzt Vitus Hanfland: „Das Interesse an dem Beruf und an den damit verbundenen Arbeiten sollte natürlich auch da sein.“ Für Schüler bietet sich daher ein Praktikum an, um die Tätigkeiten und den Tagesablauf eines Kfz-Mechatronikers hautnah mitzuerleben.
Wann dieser für Vitus Hanfland beginnt, hängt von der Jahreszeit ab. „Von Juni bis August starten wir schon um 7 Uhr, in den anderen Monaten erst um 8 Uhr. Vor Ort wird dann entschieden, wer welche Aufträge übernimmt.“ Und die könnten unterschiedlicher kaum sein. Vom Reifenwechsel über Inspektionen und Wartungen bis zum Austausch von einzelnen Bauteilen bis zur Fehlersuche mittels Diagnosetechnik. „Die Vielfältigkeit der Aufgaben und der Zusammenhalt im Team haben mich von Anfang an überzeugt, denn bei uns ist kein Tag wie der andere“, findet der angehende Kfz-Mechatroniker.

Foto: Gabi Bender
Die Aufträge, bei denen der Kunde ein Problem schildert, für das es keine eindeutige Ursache gibt, sind besonders herausfordernd. Als erste Bestandsaufnahme und um mögliche Probleme mit Motor, Getriebe, Elektrik, Bremsen oder Abgasanlage aufzudecken, bietet sich die Diagnoseprüfung an. „Dafür verbinden wir den Diagnosetester mit der On-Board-Diagnose-Schnittstelle des Fahrzeugs“, erklärt der 17-Jährige. „So wissen wir oftmals schon, in welche grobe Richtung es gehen wird.“
Welche Richtung Vitus Hanfland nach seiner Ausbildung einschlagen möchte, steht dagegen schon fest. „Ich möchte erst einmal praktische Erfahrungen sammeln und wenn es sich später anbietet, gerne auch den Meister machen.“





