Es ist immer noch der beliebteste Ausbildungsberuf in Deutschland: Kfz-Mechatroniker. Das hängt mutmaßlich mit dem Arbeitsfeld zusammen. "Eine Affinität zum Auto sollte ein Auszubildender schon haben", erklärt Julius Franken, als Obermeister des Kammerbezirks Hellweg-Lippe kompetent in Sachen Nachwuchsarbeit.

Viele würden sich allerdings falsche Vorstellungen machen, meint Julien Schulte, Auszubildender im zweiten Lehrjahr in der Hammer VAG-Vertragswerkstatt, Hohe Straße 10-14. "Wir waren zu Beginn 31 in der Klasse, nach der Zwischenprüfung sind wir noch 24. Die Ausbildung ist schon anspruchsvoll." Reinschnuppern während der Schulpraktika sei sinnvoll, sich über die Ausbildungsinhalte informieren genauso. Julien Schulte besuchte in seiner Schulzeit gleich zwei Werkstätten und überzeugte Julius Franken mit seiner Affinität zum Kfz.

Traumberufe Kfz-Mechatroniker 2026
Meister Jörn Peckedrath bespricht mit Julien Schulte die Arbeitsschritte zur Beseitigung eines Unfallschadens. Foto: Markus Liesegang

Autos sind ein cooles Werk der Menschheit

"Dieser Beruf war ein Kindheitstraum von mir", sagt der 21-jährige Hammer. "Autos sind ein cooles Werk der Menschheit." Handwerkliche Arbeit liege ihm außerdem. "Ich habe immer schon Dinge auseinander und wieder zusammengebaut."

Zum einen seien Noten in den MINT-Fächern wichtig, um den schulischen Anforderungen der Ausbildung gerecht zu werden, erklärt Julius Franken die weiteren Eckpunkte einer erfolgreichen Bewerbung in seinem Unternehmen. "Der Bewerber sollte sich für die physikalisch-technischen Hintergründe interessieren." An den drei Standorten der Vertragswerkstatt lernen momentan 25 angehende Kfz-Mechatroniker mit Spezialisierung Mechanik und Karosseriebau, aber auch Automobilkaufleute.

"Der Charakter der Bewerber ist uns ebenfalls wichtig", sagt Julius Franken. "Die menschlichen Kontakte sind wichtig im Team. Das muss passen. Wir sehen uns mit insgesamt 140 Mitarbeitern als große Familie." Es sei eine lockere Arbeitsathmosphäre in der Werkstatt, unterstreicht Julien Schulte die Aussage.

Traumberufe Kfz-Mechatroniker 2026
Der Umgang mit dem Laptop gehört zum Alltag eines Kfz-Mechatronikers. Julien Schulte kontrolliert damit zum Beispiel Motorfunktionen. Foto: Markus Liesegang

Eintauchen in Mechanik und Elektrik

Bremsanlagen instand zu setzen, nennt er als Lieblingstätigkeit in der Werkstatt. Zumindest im Moment. Denn im Laufe der dreieinhalb Lehrjahre lernt er bei Franken Mechanik und Elektrik aller Marken des Konzerns kennen, und das immer detaillierter. "Vor allem im letzten Lehrjahr werden ihnen die Feinheiten von VW, Audi, Skoda in spezifischen Fortbildungen nahegebracht", erklärt sein Lehrherr. "Und unser Ausbildungsleiter Jörn Peckedrath schaut bewusst nach Talenten und Vorlieben", ergänzt Julius Franken. Julien Schultes persönlicher Favorit ist Audi – wegen des sportlichen Anstrichs der Marke.

Stehenbleiben will er nicht. In welche Richtung es für ihn nach bestandener Gesellenprüfung gehen wird, weiß er bislang nicht genau. "Meister wäre eine Option oder auch Prüfingenieur." Im Unternehmen selbst gäbe es ebenfalls mannigfaltige Entwicklungsmöglichkeiten, beschreibt Julius Franken. "Es gibt bei uns 14 Expertenwege, ob für Fahrwerk, Getriebe oder Motor und so weiter. Unseren Mitarbeitern steht der Weg zum Servicetechniker offen. Wir unterstützen den Besuch der Meisterschule nebenberuflich. Es gibt mitarbeitende Meister, Werkstatt- und Teamleiter, Serviceberater, und, und, und …"

Drei Antworten von...

...Julius Franken, Obermeister der Kraftfahrzeug-Innung Hamm-Unna

Obermeister Julius Franken

Warum lohnt es sich heute, gerade in Ihrem Handwerk einzusteigen – und was macht den Beruf des Kfz-Mechatronikers besonders spannend?

Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll, weil der Kfz-Mechatroniker einfach der allerbeste Beruf ist. Auch ich habe mein Berufsleben mit einer Lehre zum Mechaniker begonnen. Die Ausbildung vereint modernste Technik mit komplizierten und vielschichtigen Problemstellungen. Ein Auto ist ja ein Meisterwerk aus Mechanik, Elektronik, Hydraulik und Elektrik. Wer die Fachgebiete versteht, ist wahrlich vom Meister nicht mehr weit entfernt – junge Menschen erwerben in dieser Ausbildung innerhalb von dreieinhalb Jahren einen großen Wissensschatz. Es ist jedes Mal toll zu sehen, was Auszubildende bis zur Prüfung alles gelernt haben. Mit diesem Wissen machen wir unsere Kunden glücklich – jedes Mal, wenn das Auto wieder läuft und dem Fahrer ein Stein vom Herzen fällt.

Wie verändert sich die Ausbildung in ihrem Handwerk, damit Auszubildende bestens auf die Zukunft vorbereitet sind?

Der Wandel hin zu Elektromobilität bietet einen langfristigen und qualifizierten Beruf, die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bildet die Basis dafür. Genauso wie weitere Aufstiegschancen und Qualifizierungswege. Nachdem sie die Gesellenprüfung abgelegt haben, folgt der Qualifizierungsweg zum Servicetechniker, Hochvolttechniker, Hochvolt-Experten. Sollten sie später nicht die Expertenlaufbahn einschlagen wollen, sondern den Kundenkontakt lieben, haben sie auch dazu die Gelegenheit, etwa als Serviceberater oder Teamleiter. Mit dem Meister erlangen sie die Eintrittskarte, einen eigenen Betrieb zu führen. Der Kfz-Meister ist einem Studiengang und Bachelorabschluss gleichgestellt. Weiter führt die Karriere zum Betriebswirt des Handwerks.

Welche neuen Technologien, Materialien oder digitalen Entwicklungen prägen heute den Berufsalltag der Kfz-Mechatroniker?

Schon früh hat sich der Kfz-Mechatroniker vom „Teiletauscher“ zum Diagnosetechniker entwickelt. Die Diagnose von elektronischen Fehlern nimmt inzwischen sicherlich über die Hälfte des Arbeitstages ein. Hier werden logisches Denken, Computerkenntnisse, aber auch handwerkliche Fähigkeiten vermittelt. In den vergangenen Jahren sind das assistierte Fahren, Digitalisierung und Cloud-Dienste des Fahrzeugs hinzugekommen. Der Kfz-Mechatroniker hilft dem Kunden, diese Programme zu bedienen und erklärt den Nutzen, kümmert sich um die Funktion und Instandhaltung.

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