2015 erhielt Yvonne Schnickmann ihren Meisterbrief für das Maler- und Lackiererhandwerk. Einige Jahre arbeitete die Bönenerin danach als angestellte Meisterin in ihrem Ausbildungsbetrieb. "Eine gute Zeit" sagt die 42-Jährige mit Blick zurück. "Ich habe dort auch vorher als Gesellin mehrere Auszubildende betreut." Den Traum eines eigenen Unternehmens hatte sie dabei immer im Hinterkopf. 2023 wagte die Malermeisterin den Schritt und machte sich selbstständig. "Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit", erinnert sie sich mit einem Schmunzeln.
Praktika führen zum Traumberuf
"Ich denke, diese kreative Ader hatte ich immer schon", sagt sie über ihren Traumberuf. Ein Schulpraktikum machte die Absolventin der Pestalozzi-Hauptschule zunächst in einer Kita. Ein zweites legte sie bei Gerd und Bernd Meyer in Bönen nach. "Es war damals nicht ganz einfach, als Frau im Handwerk unterzukommen", erklärt sie. Für sie war die Entscheidung nach dem zweiten Praktikum klar. Yvonne Schnickmann bewarb sich bei Gerd Meyer und legte damit den Grundstein zu ihrer Karriere. Ihr Appell an Mädchen, die ins Handwerk wollen: "Traut euch, einfach nachzufragen."
"Man kann sich in unserem Beruf ausleben", beschreibt die Malermeisterin die Vielfalt des Berufs. "Ich experimentiere hier in der Werkstatt mit Materialien und Farben und erstelle Musterplatten zur besseren Vorstellung."

"Talent geht vor Noten"
Sie selbst nutzt im Kundengespräch die Chance, individuelle und kreative Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen. "Wir arbeiten mit verschiedenen Spachteltechniken, verkleben hochwertige Tapeten. Wir frischen Fassaden auf, beseitigen auch Risse im Giebel und verputzen neu", zählt Yvonne Schnickmann auf. Inzwischen erledigt ihr Team auch Trockenbau. "Dadurch können wir die Baustelle beim Kunden schneller abschließen, weil wir nicht auf andere Gewerke warten müssen."
Von den Auszubildenden verlangt sie Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Offenheit. "Bei mir geht Talent vor Noten", sagt die 42-Jährige. "Ich unterstütze sie in jeder Beziehung. Learning by doing, statt Zuschauen", beschreibt sie ihr Motto. "Meine Praktikanten schätzen das – und staunen immer, dass sie tatsächlich mitarbeiten und sich ausprobieren dürfen."
Yvonne Schnickmann tut viel für die Nachwuchsförderung. Sie begutachtete die Leistungen der angehenden Maler und Lackierer im Prüfungsausschuss, ist Mitglied im frauenstarken Vorstand der Innung. Und die Bönenerin beteiligt sich regelmäßig an der Präsentation ihres Berufs, zum Beispiel am 24. Juni beim Berufsorientierungstag in der Stadthalle Unna (9 bis 14 Uhr). "Dort stellen wir einige Kreativtechniken vor, Interessierte können es selbst ausprobieren."

Motivation wecken durch Selbstmachen
Mit Lehrern ihrer alten Schule startete Yvonne Schnickmann ein Gestaltungsprojekt mit einem Bauwagen. "Von der Motivfindung über die Grundierung und Skizzierung bis zum Ausmalen: All das haben die Schüler gemacht." Ihre Praktikanten lässt sie ebenfalls sofort an Pinsel und Spachtel. "Das klappt gut und motiviert."
Der Spaß an der Arbeit gehört für Yvonne Schnickmann und ihre beiden Mitarbeiter unbedingt dazu. "Wir sind ein kleines, junges Team", betont Yvonne Schnickmann. Ein offener Austausch kennzeichnet die Zusammenarbeit: "Dazu gehört auch Kritik – positive wie negative. Ich achte in jedem Fall darauf, dass niemand mit einem schlechten Gefühl nach Hause geht." Das brachte der Malermeisterin auch den Sonderpreis "Familienfreundliches Unternehmen" von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Unna ein.





