Sie zieht die Gummidichtung durchs Wasserbad, er drückt diese in die Nut des Aluprofils. Denise Winkler und Stephan Tillmann arbeiten Hand in Hand bei der Bespannung einer Insektenschutztür für einen Kunden. Insektenschutz sei sehr stark nachgefragt, erklärt der Raumausstattermeister. Die nachhaltige Qualität des Fachbetriebes aus Rhynern ebenso.
"Das maßgefertigte Aluprofil hält ewig, ist extrem starr und schließt somit dicht. Das Netz muss schon mal ausgetauscht werden, zum Beispiel, wenn jemand dagegen rennt", erklärt Stephan Tillmann. Die Arbeit an den Flügeln der Schiebetür geht dem Meister und seiner Auszubildenden schnell von der Hand. Und sie bekommt an diesem Morgen Priorität, schließlich soll die Tür noch am selben Tag wieder für Schutz sorgen. Denise Winkler reinigt abschließend den Rahmen von Kleberesten der provisorischen Reparatur durch den Kunden. Dann hilft sie mit, ein renoviertes Sofa in den Firmenbulli zu laden.
Die Voraussetzungen: Gespür für Farbe, Gefühl für Stoffe
Sie sieht die Arbeit, die ansteht. Das ist etwas, was der Lehrherr voraussetzt. "Wir arbeiten uns schließlich immer gegenseitig zu", beschreibt Stephan Tillmann eine Notwendigkeit im Handwerksbetrieb.
Ein Gespür für Farbe und Design, ein Gefühl für die genutzten Stoffe – das sind weitere Voraussetzungen für den Beruf des Raumausstatters. Und Freundlichkeit. "Denise berät gut, wie ich neulich von einer Kundin im Laden hörte. Das Lob war inklusive", freut sich Stephan Tillmann.
"Sie hat bereits während eines Tagespraktikums gezeigt, dass sie Lust auf den Beruf hat", blickt der Ausbilder zurück. Diese Erkenntnis motiviert natürlich. "Wir sind zwar ein Handwerk, aber ein feines. Wir bedienen ganz andere Baustellen, arbeiten immer im Bestand, also in sauberer Umgebung", stellt der Inhaber von Raum & Textil an der Alten Salzstraße klar.

Die Aussichten: Innenarchitektur oder Meisterbrief
Stephan Tillmann hat den Meistertitel 1994 erhalten, bildet seitdem aus. Denise Winkler ist 19 Jahre alt und will später einmal Innenarchitektur studieren. "Hier lerne ich die praktische Arbeit kennen, die ein Innenarchitekt beauftragt", sagt sie. "Den Meister habe ich aber auch im Auge. Es gibt viele Möglichkeiten."
Kreativ ist die junge Frau seit ihrer Jugend. Die Berufswahl passt also perfekt: Raumausstatter ist ein kreativer und vielfältiger Beruf, der nicht nur handwerkliches Geschick erfordert. Ideen zu haben, wie das eigene Heim, das Büro, die Kita oder das Entree von Unternehmen aussehen soll, ist das eine. Diese Ideen umzusetzen ist die Aufgabe des selten gewordenen Handwerks. "Das schätze ich auch an der Ausbildung hier", sagt Denise Winkler. "Viele Betriebe spezialisieren sich, hier machst du und lernst alles: Gardinen, Wand und Bodenbelag." Lernen heißt auch, ab und zu Fehler zu machen, sagt sie. "Stephan Tillmann zeigt Verständnis, und er hetzt nicht."
Das Polstern ist ihre Lieblingstätigkeit. Warum? "Ich mag es, den Aufbau der Polsterung zu sehen, Bequemlichkeit zu schaffen und die Menschen damit glücklich zu machen." Schon macht die angehende Gesellin sich an einen Hocker, entfernt mit der Zange die Klammern des obersten Bezugs, dann mit dem Nageleisen die "Blauköpfe" eines weiteren Bezuges darunter. "Ich habe auch schon vier Stoffe übereinander erlebt", erzählt sie.

Die Nachhaltigkeit: Aufpolstern statt neu kaufen
Der Lieblingssessel oder das Sofa müssen nicht immer getauscht werden, betont ihr Lehrherr. Sie werden bei Bedarf aufgepolstert und erhalten mit einem neuen, passenden Bezug ein frisches Outfit, erklärt Stephan Tillmann.
Raum & Textil bietet nicht nur Komplettlösungen. Oft ziehen kleine Eingriffe in der Wohnung eine große Wirkung nach sich, seien es eine neue Gardine, moderne Rollos, eine Filz- oder Holzjalousie oder frei gestaltete Plissees. Eine neue Optik versprechen textile Raumteiler, die auch schnell die Raumakustik verbessern. Oft schlägt Stephan Tillmann einfach einen Teppich vor, der den Charakter der Inneneinrichtung unterstreicht – oder gegebenenfalls bricht. Hier werden bei Form, Größe und Design keine Grenzen gesetzt.
Nachhaltigkeit und Wertigkeit sind ein weiteres Spielfeld des Raumausstattermeisters. So kommen etwa Sonnen- und Insektenschutz bei Stephan Tillmann nicht von der Stange, sondern werden individuell und qualitativ hochwertig gefertigt. "Es heißt nicht umsonst: Wer billig kauft, kauft dreimal."






