Der regelmäßige Blick in das Jugendzimmer von Lara Krüger ließ es schon früh erahnen – hier wohnt jemand, der sehr kreativ ist. "Ich habe mein Zimmer sehr häufig umgestaltet", erzählt die 17-Jährige. Für sie stand schon während ihrer Schulzeit, die mit der zehnten Klasse an der Lippetalschule in Herzfeld endete, fest: "Ich möchte kreativ und handwerklich arbeiten."
Sie recherchierte, welche Ausbildungsberufe diese Voraussetzungen erfüllen und stieß dabei auf den Raumausstatter, der nicht nur Räume ausstattet, sondern auch Möbel polstert und bezieht und Sicht- und Sonnenschutzanlagen montiert. "Mich begeistert die Vielfalt der Tätigkeiten, die wir in der Ausbildung lernen", sagt Lara Krüger. Denn während dieser drei Jahre lernt der Nachwuchs unter anderem das Verlegen von Teppichböden, PVC, Laminat, Parkett und Designbelägen, wobei auch das adäquate Vorbereiten des Untergrundes zum Beispiel durch Spachteln, Schleifen oder Grundieren dazugehört.

Der zweite große Bereich ist die Wand- und Deckengestaltung. Neben Tapezieren und Streichen kennen sich die Azubis nach ihrer Ausbildung auch mit dem Anbringen von Wandverkleidungen wie Stoffen, schallabsorbierenden Materialien sowie Holz- und Akustikpaneelen aus. Ein weiterer wichtiger Baustein ist das Restaurieren und Neubeziehen von Polstermöbeln sowie das Wiederaufbereiten von Sitzmöbeln in Bezug auf das Ersetzen von Federn oder Schaumstoffen.
"Mein erstes Möbelstück, das ich bei meinem Ausbildungsbetrieb Pohle Raumgestaltung gepolstert habe, war der Klavierhocker einer Kundin. Da ich noch etwas unsicher war, bin ich zu einem unserer Gesellen gegangen und der hat mir sehr gute Tipps gegeben, wie ich es noch besser machen kann", erinnert sich die 17-Jährige. "Die Zusammenarbeit bei uns ist super und daher macht das Arbeiten in unserem Team sehr viel Spaß." Teamwork ist auch bei der Montage von Sonnensegeln gefragt, denn diese können bei ihrem Ausbildungsbetrieb schon mal eine Fläche von über 100 Quadratmetern haben.

Die Praxis lernen die angehenden Raumausstatter nicht nur im Betrieb, sondern auch im Rahmen der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) im Bildungszentrum der Handwerkskammer Münster. "Bei unserem Lehrgang im April haben wir eine Teppich-Intarsie auf einem Holzbrett gemacht. Dafür mussten wir uns zuerst ein Muster aussuchen, dieses dann aus dem Teppich ausschneiden und die freien Flächen mit Stücken aus einem anderen Teppich passgenau füllen." Der nächste ÜLU-Lehrgang – dann zum Thema Wandgestaltung – findet Anfang November in Münster statt.
In der Berufsschule, dem Fritz-Henßler-Berufskolleg, steht hauptsächlich Theorie auf dem Programm. "Dort berechnen wir beispielsweise, wie viele Quadratmeter Stoff wir für eine Fensterfläche benötigen inklusive der sogenannten Faltenzugabe, denn der Stoff hängt in der Regel nicht gerade herunter, sondern wirft Falten", berichtet die Schonebergerin. Außerdem lernen die Azubis dort, mit welchen Werkzeugen Raumausstatter arbeiten, welche Materialien sie verarbeiten, wie ein Boden aufgebaut ist und vieles mehr. Zwischendurch sind allerdings auch dort praktische Fähigkeiten gefragt. "Im ersten Lehrjahr haben wir in der Berufsschule ein Hotelkissenbezug genäht."







