Der Name Kanne ist vielen in der Region ein Begriff. Die Lünener Bäckerei, gegründet 1904, beschickt 26 Filialen von Münster bis Kamen-Methler. Der Kanne Brottrunk wird in Supermärkten und auch online vertrieben. "Mein Großvater, Wilhelm III., hat den 1981 erfunden", sagt Wilhelm Kanne, Bäckermeister und Inhaber in der fünften Generation. Das probiotische Getränk ist Kult, steht zudem für die Innovationskraft des Handwerks.
"Wir wollen nicht auf dem alten Pfad bleiben", betont der Bäckermeister. Nachhaltigkeit ist im Unternehmen Im Geistwinkel 40 ein großes Thema. Strom produzieren die Solarzellen auf dem Dach und ein Windrad. Bio-Mehl kommt zum Teil aus der eigenen Mühle, Grundzutaten sind natürlich, Marzipan wird selbst hergestellt. "Wir sind sehr breit aufgestellt, machen von Brot und Brötchen bis zu Torten und Pralinen alles selbst."

Biozutaten für die warme Küche
Bäckerei und warme Küche nutzen eigenes Obst und Gemüse in Bioqualität aus dem Gewächshaus nebenan. Beide beliefern Hochzeiten und sonstige Festivitäten über einen eigenen Cateringservice.
"Wir sind offen für vieles", erklärt Wilhelm V. Kanne. Auch, was die Ausbildung zum Bäcker betrifft. Die Lünener nutzen die Kooperation der Fachhochschule mit der Universität Jakarta und bietet Praktikumsplätze inklusive entsprechender Infrastruktur wie Hilfe bei der Wohnungssuche für indonesische Studierende. "Das machen wir bereits seit zehn Jahren", erklärt der Firmenchef. Es sei ein beidseitiger fruchtbarer Austausch. "Wir haben tolle Erfahrungen gemacht", sagt Wilhelm Kanne.
Eine von aktuell sieben Auszubildenden zum Bäcker ist Rizka Sychira Titah. Die 28-Jährige ist Lebensmitteltechnologin aus Indonesien, fand das Praktikum so interessant, dass sie die Lehre anschloss. Sie ist im dritten Jahr, also kurz vor dem Abschluss. Sie ist sich bereits sicher: "Ich werde im Beruf bleiben." Vielleicht werde sie auch ihren Traum verwirklichen und eine deutsche Bäckerei in Indonesien eröffnen, erzählt Rizka Sychira Titah.

Dann wird sie auch Torten ins Angebot nehmen. Sie liebt Erdbeerkuchen. Torten vorbereiten, die "Wiener Masse" anrühren – das seien momentan ebenso Lieblingstätigkeiten wie das Dekorieren des süßen Naschwerks.
Interesse beim Praktikum ausloten
Bei Kanne seien viele sehr unterschiedliche Lebensläufe zu finden. "Das tolle am Handwerksberuf ist ja, dass einem die Welt offensteht", schwärmt Wilhelm Kanne. Er verlangt von den künftigen Auszubildenden "Offenheit und Ehrlichkeit und eine gesunde Einstellung", beschreibt er. Fachspezifische Fähigkeiten wie handwerkliches Geschick und eine schnelle Auffassungsgabe seien auch nicht verkehrt.
Ein Praktikum sei wichtig, "um die eigenen Interessen zu erkennen", ergänzt der Bäckermeister. "Wir sind auch offen gegenüber Kritik, wenn etwas nicht passt oder nicht gepasst hat", betont der Geschäftsführer. Genauso offen sei er selbst übrigens gegenüber Ideen aus der Belegschaft, inklusive der Auszubildenden.
Den Duft von frischem Brot in der Nase
Auch wenn er den Vornamen seiner vier Vorfahren trägt: Er sei nicht einfach in den Beruf hineingeboren worden, sondern aus Überzeugung Bäcker. "Man wächst da rein", sagt Wilhelm Kanne. "Wir wohnen ja am Betrieb. Da hat man den Duft von frischem Brot und Brötchen gleich in der Nase. Die Arbeit macht Spaß, wir haben einen unheimlich schönen Beruf."
Das unterstreicht Rizka Sychira Titah. "Am Anfang sind die Arbeitszeiten von eins bis neun Uhr morgens schwierig, aber dann wächst man da rein", berichtet sie. "Der Biorhythmus stellt sich schnell darauf ein. Das ist keine Riesenhürde."





