Als Laura Ramsel nach der Schulbank an der Sekundarschule Rüthen ins Berufsleben gestartet ist, ging es für die 17-Jährige erst einmal zurück in den Kindergarten. "An mein erstes Projekt kann ich mich noch sehr gut erinnern", erzählt die Auszubildende. "Wir haben in der Küche einer Kindertagesstätte 30 x 30 Zentimeter große, weiße Fliesen verlegt und in den sanitären Anlagen sogar 30 x 60 Zentimeter große Fliesen."

Dabei hat die Rüthenerin schnell gemerkt, wie viel Spaß ihr die Tätigkeiten machen, und so entschied sie sich dafür, eine Ausbildung zur Fliesenlegerin zu machen. "Meine Eltern und auch meine Freunde waren zuerst überrascht über meine Wahl, haben mich aber immer unterstützt." In ihrer Berufsschulklasse am Börde-Berufskolleg in Soest, wo sie im ersten Lehrjahr gemeinsam mit angehenden Maurern, Zimmerern, Stuckateuren, Dachdeckern und natürlich Fliesenlegern jede Menge Grundlagenwissen gelernt hat, war die 17-jährige zwar die einzige Fliesenlegerin, aber dank einer Zimmerin nicht die einzige weibliche Nachwuchskraft.

Laura Ramsel überprüft die Lage der Fliesen mit ihrer Wasserwaage. Traumberufe Fliesenleger 2026
Beim Fliesenverlegen ist Präzision gefragt. Daher überprüft Laura Ramsel die Lage der Fliesen regelmäßig mit ihrer Wasserwaage. Foto: Gabi Bender

"Seit dem zweiten Lehrjahr findet der Berufsschulunterricht für die Fliesenleger im Fritz-Henßler-Berufskolleg in Dortmund statt, wo wir eine reine Fliesenlegerklasse sind", erzählt Laura Ramsel weiter, "und auch in dieser Klasse gibt es noch eine weitere Auszubildende." Auch wenn die männlichen Azubis deutlich in der Überzahl sind, ist der Beruf für jedes Geschlecht geeignet. "Körperliche Fitness ist neben handwerklichem Geschick schon wünschenswert, aber auch eher zierliche Personen können die Arbeit gut schaffen", ist sich Fliesenlegermeister Carl Mies sicher und ergänzt: "Das Fitnessstudio kann man sich als Fliesenleger allerdings oftmals sparen."

Der 26-jährige Juniorchef bildet die Schnittstelle zwischen dem Büro, in dem sein Vater, Fliesenlegermeister Markus Mies, Angebote macht und Planungen erstellt, die seine Mutter Corinna Mies in aussagekräftige 3D-Zeichnungen umsetzt. "Ich bin derzeit zu 80 Prozent auf unseren Baustellen unterwegs und kümmere mich darum, dass die Projekte wie geplant umgesetzt werden."

Carl Mies steht in überprüft ein frisch gefliestes Badezimmer. Traumberufe Fliesenleger 2026
Juniorchef Carl Mies kümmert sich unter anderem um die Baustellen des Anröchter Fliesenfachbetriebs, den sein Vater leitet. Foto: Gabi Bender

Und die Projekte sind so vielfältig wie die auszuführenden Arbeiten und die Fliesen, die dabei zum Einsatz kommen. Ob Privathäuser, Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, kommunale Einrichtungen, Industrie- oder Gewerbeobjekte – Fliesen und Natursteine bieten unendliche Möglichkeiten und sind daher in nahezu jedem Gebäude zu finden.

"Besonders viel Spaß macht mir das Verlegen von Wandfliesen und das Verfugen", sagt Laura Ramsel. "Sehr schwierig fand ich dagegen das Ziehen von Estrich, was wir im ersten Lehrjahr im Berufsbildungszentrum in Soest gelernt haben."

Auch auf den Baustellen gab und gibt es jede Menge zu lernen für die 17-Jährige. "Fliesen richtig zu schneiden, war am Anfang auch nicht einfach, denn man muss die richtige Menge Druck einsetzen, damit die Fliese an der richtigen Stelle bricht und die Glasur nicht wegplatzt. Aber das klappt mittlerweile auch schon ganz gut", so die Rüthenerin und resümiert: "Der Job ist herausfordernd, aber auch spannend und er macht mir sehr viel Spaß."

Laura Ramsel schneidet Fliesen mit einer Schneidemaschine. Traumberufe Fliesenleger 2026
Das Schneiden von Fliesen erfordert Erfahrung und handwerkliches Geschick, weiß Laura Ramsel. Foto: Gabi Bender

Drei Antworten von...

...Markus Mies, Obermeister der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Innung Hellweg-Lippe

Markus Mies, Obermeister der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger-Innung Hellweg-Lippe

Warum lohnt es sich heute, gerade in Ihrem Handwerk einzusteigen – und was macht den Beruf des Fliesenlegers besonders spannend?

Ich bin überzeugt: Unser Handwerk hat Zukunft. Wir verbinden Kreativität, Technik und echtes handwerkliches Können. Wer gerne praktisch arbeitet und am Ende des Tages sehen möchte, was er geleistet hat, findet bei uns einen abwechslungsreichen und sicheren Beruf. Als Innung ist es uns besonders wichtig, junge Menschen für diesen tollen Beruf zu begeistern.

Wie verändert sich die Ausbildung in Ihrem Handwerk, damit Auszubildende bestens auf die Zukunft vorbereitet sind?

Eine gute Ausbildung ist für mich der Schlüssel für die Zukunft unseres Handwerks. Das klassische Handwerk bleibt die Grundlage, gleichzeitig müssen unsere Azubis den Umgang mit neuen Materialien, modernen Maschinen und digitalen Werkzeugen lernen. Wir wollen Fachkräfte ausbilden, die nicht nur sauber arbeiten, sondern auch mitdenken und selbstständig Lösungen finden.

Welche neuen Technologien, Materialien oder digitalen Entwicklungen prägen heute den Berufsalltag des Fliesenlegers?

Unser Handwerk hat sich technisch enorm weiterentwickelt. Großformate, neue Materialien, digitales Aufmaß und moderne Bearbeitungstechnik gehören heute ganz selbstverständlich dazu. Aber bei aller Digitalisierung bin ich überzeugt: Die Technik ist nur so gut wie der Handwerker, der sie einsetzt. Erfahrung, Präzision und handwerkliches Können bleiben entscheidend.

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