Eben noch hat Tim Linnhoff im Rahmen einer Inspektion den Kraftstofffilter bei einem Trecker gewechselt, als ein Anruf für eine kurzfristige Planänderung sorgt. "Einer unserer Kunden hat sich gemeldet, weil ein Hinterrad an seiner Zugmaschine kaputt ist", erzählt der 21-Jährige. "Daher fahre ich jetzt mit unserem Praktikanten zu dem Landwirt aufs Feld und wir wechseln direkt vor Ort den Reifen, damit der Kunden weiterarbeiten kann."

Seit August ist der Rüthener im dritten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker, die er bei der Meinolf Sommer Landmaschinen GmbH absolviert. Zuvor hat er sein Fachabi in Richtung Metalltechnik mit einjährigem Praktikum bei einer anderen Landmaschinenfirma gemacht. "Meine Leidenschaft waren schon immer große, landwirtschaftliche Maschinen", erklärt der Azubi begeistert. "Mich begeistert vor allem die moderne Technik in den heutigen Maschinen – von der GPS-gesteuerten Feldspritze mit SectionControl über selbst fahrende Traktoren bis hin zum Teleskoplader mit einer Hubhöhe von 35 Metern."

Tim Linnhoff inspiziert einen Traktor. Traumberufe Land- und Baumaschinenmechatroniker 2026
Der angehende Land- und Baumaschinenmechatroniker Tim Linnhoff führt selbstständig eine Inspektion durch. Foto: Gabi Bender

Neben der Arbeit an den großen Maschinen an sich schätzt Tim Linnhoff die Vielseitigkeit und die Abwechslung in seinem Beruf. "Bei uns ist kein Tag wie der andere und man weiß morgens in der Regel nicht, was der Tag mit sich bringt", erklärt Marcus Horst, der bei dem Familienunternehmen am Sibberweg 5 in Erwitte-Völlinghausen im Backoffice tätig ist. Daher nennt der 39-Jährige neben "Interesse am Schrauben" auch EDV-Kenntnisse als wichtige Voraussetzung für Interessenten, die eine Ausbildung zum Land- und Baumaschinenmechatroniker bei dem Traditionsbetrieb machen möchten. Auch Kreativität sei wichtig, denn regelmäßig müsse man Lösungen für verschiedene Herausforderungen finden.

In der großen Halle am Firmensitz der Meinolf Sommer Landmaschinen GmbH reparieren und programmieren die Mitarbeiter Traktoren mit neuester Software, warten modernste Hightech-Landmaschinen und bereiten Teleskoplader vor, die in die Vermietung oder den Verkauf gehen. "Wir bieten Reparaturen und Service-Leistungen für die Landmaschinen aller Hersteller an und vertreiben und vermieten darüber hinaus Landmaschinen unter anderem von Massey Ferguson und Teleskoplader von Merlo", sagt Marcus Horst. Letztere kommen nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im Handwerk, in der Industrie und auch bei Schützenfesten zum Einsatz.

Max Salmen fährt einen Teleskoplader. Traumberufe Land- und Baumaschinenmechatroniker 2026
Der Lippstädter Azubi Max Salmen erledigt die letzten Arbeiten an einem Teleskoplader, bevor dieser zu einem Schützenfest fährt, bei dem er für das Vogelschießen gemietet worden ist. Foto: Gabi Bender

Die Ursprünge des Unternehmens gehen bis ins Jahr 1810 zurück. Als Huf- und Wagenschmiede gegründet entwickelte sich das Unternehmen unter der Leitung von Meinolf Sommer zum Landmaschinen-Experten. Im Jahr 2010 wurde das 200-jährige Jubiläum gefeiert, in diesem Zuge übernahm die sechste Generation mit Benedikt Sommer die Geschäftsführung. Was beim Ursprung der Firma der alltäglich genutzte Vorschlaghammer war, sind heute Laptop und Diagnosegerät, wobei das handwerkliche Geschick in diesem Berufsfeld nach wie vor unersetzlich ist.

Auch wenn Meinolf Sommer, der am vergangenen Wochenende seinen 83. Geburtstag gefeiert hat, die Firmenleitung vor 16 Jahren abgegeben hat, ist der Land- und Baumaschinenmechanikermeister, der von den Mitarbeitern gerne als gute Seele des Betriebs bezeichnet wird, dem Familienunternehmen und seinen Kunden nach wie vor eng verbunden – einmal Landmaschinen, immer Landmaschinen.

Drei Antworten von...

...Dietmar Kaup, Obermeister der Innung für Land- und Baumaschinentechnik Soest-Lippstadt

Portrait Obermeister Dietmar Kaup

Warum lohnt es sich heute, gerade in Ihrem Handwerk einzusteigen – und was macht den Beruf des Zimmerers besonders spannend?

Der Beruf ist abwechslungsreich, weil die Aufgaben sehr vielfältig sind. Man arbeitet mit allem – vom Rasenmäher bis zum Mähdrescher, also vom kleinen Gerät bis zur großen Maschine. Dadurch ist kein Tag wie der andere.
Auch der Kontakt mit den Kunden gehört dazu. Land- und Baumaschinenmechatroniker arbeiten also nicht nur in der Werkstatt, sondern ist auch direkt vor Ort beim Kunden und bekommt mit, wofür die Maschinen eingesetzt werden. Wer Spaß an Technik hat, gerne praktisch arbeitet und sich für moderne Maschinen interessiert, findet hier ein spannendes und zukunftsorientiertes Handwerk.

Wie verändert sich die Ausbildung im Handwerk der Land- und Baumaschinentechnik, damit Auszubildende bestens auf die Zukunft vorbereitet sind?

Die Ausbildung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Früher standen vor allem Mechanik und Hydraulik im Mittelpunkt. Heute spielen Elektronik, Digitalisierung und computergestützte Systeme eine immer größere Rolle. Das merkt man auch im Arbeitsalltag: Heute ist der Laptop bei der Fehlersuche teilweise genauso wichtig wie früher der Hammer. Deshalb müssen sich die Auszubildenden auch mit neuen Technologien auseinandersetzen und lernen, die modernen Maschinen zu verstehen, zu prüfen und zu reparieren.

Welche neuen Technologien, Materialien oder digitalen Entwicklungen prägen heute den Berufsalltag im Land- und Baumaschinentechnik-Handwerk?

Die Digitalisierung ist inzwischen ein fester Bestandteil des Berufsalltags. Bei der Fehleranalyse arbeitet man heute häufig mit dem Laptop und speziellen Diagnoseprogrammen. Moderne Land- und Baumaschinen verfügen über immer mehr elektronische und digitale Systeme, die überprüft und eingestellt werden müssen. Das macht den Beruf auch besonders spannend: Man arbeitet weiterhin ganz praktisch an Maschinen, braucht dafür aber gleichzeitig immer mehr technisches und digitales Know-how.

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