Andere Länder – andere Sitten. Darauf war Alexander Wirth vorbereitet, als er sich entschloss, im Rahmen des vom Land NRW geförderten Programms "AusbildungWeltweit" mit weiteren Zimmerer-Azubis des Berufskollegs Meschede für nachhaltige Bauprojekte nach Ecuador zu reisen. Dass dort aber nicht nur typische Zimmererwerkzeuge wie Schmiege, Streichmaß und Schlagschnur unbekannt sind, sondern auch der gute, alte Zollstock, hat den 23-Jährigen schon sehr irritiert.
Der Arnsberger, der bei der Winterhoff GmbH in Freienohl seine Ausbildung zum Zimmerer macht, berichtet dennoch begeistert von seinen vier Wochen in dem südamerikanischen Land: "Es war eine tolle Zeit. Wir haben unter anderem eine Decke in einem Klassenraum neu gemacht und in einer Schulaula eine zehn Meter lange und dreieinhalb Meter hohe Holzwand eingezogen. Das war schon herausfordernd, denn auch eine Wasserwaage, die länger ist als ein Meter, gibt es dort nicht. Daher mussten wir ganz traditionell mit einem Lot arbeiten."

Auch an anderen Baustellen mussten die Azubis ihr Improvisationstalent unter Beweis stellen, denn nicht nur beim Werkzeug, sondern auch bei Baustoffen und Befestigungsmaterialien waren Auswahl und Möglichkeiten sehr begrenzt. "Bei der Holzwand haben wir beispielsweise mit Trockenbauschrauben arbeiten müssen, weil es schlicht keine passenden gab", erinnert sich der angehende Zimmerer. "So war unsere Kreativität stetig gefordert, denn wir mussten schließlich Lösungen finden. Außerdem war die Reise eine super Gelegenheit, über den Tellerrand zu schauen." Auch das Freizeitprogramm mit Ziplining, Canyoning, Dschungelwanderung und Wildwasser-Rafting konnte sich sehen lassen.
Seit Mitte September ist Alexander Wirth wieder zurück in der Heimat und mittlerweile im dritten Lehrjahr. Das erste durfte er überspringen, da er die Schule mit dem Abitur beendet und anschließend bereits eine Ausbildung abgeschlossen hatte. Im kommenden Jahr steht daher seine Gesellenprüfung auf dem Programm. "Im praktischen Teil werden wir spezielle Dachkonstruktionen im Miniaturformat bauen", vermutet der Arnsberger.

Bei seiner Berufswahl hat sich Alexander Wirth auf die Expertise eines Freundes verlassen. "Frank Dahlmann, der seinerzeit gerade Zimmerermeister geworden war, hat mir gesagt, dass die Firma Winterhoff, bei der auch er beschäftigt ist, Azubis suche, und Zimmerer ein saugeiler Beruf sei, bei dem man auch viel lernt, was man für sich privat nutzen könne – zum Beispiel für ein Gartenhaus, einen Carport oder einen Schuppen. Aber das Schönste sei, dass man abends sieht, was man geschafft beziehungsweise geschaffen habe."
Dieser Einschätzung schließt sich der 23-Jährige direkt an und ergänzt: "Unsere Arbeit hat auch einen sehr emotionalen Wert. Wir bauen Häuser in Holzrahmenbauweise. Die einzelnen Wände fertigen wir zuvor in unserer großen Halle. Vor Ort brauchen wir dann, wenn die Bodenplatte liegt, – abhängig von der Größe des Gebäudes – noch rund drei bis fünf Tage, bis das Haus komplett steht. Oft schauen uns die Familien, die mit ihren Kindern dort einziehen, zu. Dann wird einem umso mehr deutlich, dass du hier nicht nur an einem Haus, sondern an einem Zuhause für eine Familie mitgebaut hast – das ist schon ein sehr geiles Gefühl."





