Auf einer ganz besonderen Baustelle arbeitet Thorben Stadermann momentan: Die historische Burg Hülshoff in Havixbeck ist das Ziel des angehenden Tischlers. "Wir sanieren das Fachwerk im Dach, setzen Gauben an und übernehmen zudem die Dachdeckerarbeiten", erklärt Adrian Schröder, "all das unter den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes in der Vorburg".
Diese Baustelle sei schon einzigartig, betont der Co-Geschäftsführer von Thorben Stadermanns Ausbildungsbetrieb, Georg Schröder – Schreinerei und Holzbau GmbH an der Römerstraße 26 in Bockum-Hövel. "Im Denkmal arbeiten wir im Schnitt einmal im Jahr."

Abwechslung zwischen alt und neu
Aber eben solche Arbeiten wie die in historischen Gebäuden mit natürlich unregelmäßig gewachsenen Sparren aus Eichenholz sind es, die den Beruf des Zimmerers äußerst abwechslungsreich machen. Deswegen hat Thorben Stadermann sich für diesen Beruf entschieden. "Es ist ein sehr cooles Projekt", beschreibt er.
"Im Altbau sind die Sparrenabstände oft unregelmäßig, das Holz krumm. Da muss man schon improvisieren, man macht viel handwerkliche Arbeiten", erklärt der Auszubildende. Seine Lieblingstätigkeit ist der Dachstuhl. "Besonders das Richten im Neubau. Alles DIN-Maße – das steht."
Holz ist für ihn das Material, was zieht, erzählt der 18-jährige Realschulabgänger. "Ich hatte auch Tischler im Blick, aber Zimmerer ist vielseitiger", sagt er. Ein Beruf im Handwerk sollte es sowieso sein. "Es macht mir Spaß, etwas zu schaffen, was ich dann auch anfassen kann", unterstreicht der Auszubildende im dritten Lehrjahr seine Leidenschaft.
"Holz hat Sexappeal"
"In unserer Sparte haben wir weniger Probleme, Nachwuchs zu finden", bemerkt Adrian Schröder, "Holz hat Sexappeal." Der Betrieb mit 26 Mitarbeitern versucht jedes Jahr, einen Auszubildenden zum Zimmerer und einen zum Schreiner einzustellen. "Und wir übernehmen die Gesellen in der Regel auch. Sie sind einfach gut in den vergangenen Jahren", berichtet der Zimmerer-Meister und Holzbauingenieur.
Die Auszubildenden müssten den Willen mitbringen, von sich aus Fragen zu stellen, also wissbegierig zu sein. "Wir haben ein junges Team, auch Meister Frederick Westhues ist noch nicht alt", sagt Adrian Schröder. "Und alle, ob er oder die Gesellen, wollen den Jungs etwas beibringen." Schulnoten seien da nicht so wichtig, Motivation und Eigeninitiative schon. Die Auszubildenden arbeiten von Beginn an mit.

Modulbauweise mit Vor-Ort-Installation
Die Tätigkeitsfelder des Unternehmens hätten sich schon verschoben. "Unser Schwerpunkt ist heutzutage Holzbau. Ganze Häuser wie die Kita Mondscheinweg in Drensteinfurt, außerdem Um- und Anbauten oder aufgesetzte Etagen. Wir fertigen viel in Modulbauweise vor und installieren vor Ort", beschreibt der Juniorchef. Der Einzugsbereich des Unternehmens reiche von Münster bis Bochum, erklärt Adrian Schröder.
Sein Auszubildender fühlt sich wohl im Unternehmen. "Es geht hier sehr familiär zu, mit flacher Hierarchie. Man traut sich, Dinge anzusprechen, Fragen zu stellen."
Nach dem Abschluss im kommenden Sommer möchte er erst mal weiterarbeiten als Zimmerer-Geselle. "Sicher werde ich auch an Fortbildungen teilnehmen", erklärt Thorben Stadermann. Praktische Erfahrungen zu sammeln und Geld zu verdienen, das ist ihm wichtig. Den Meisterbrief schließt er nicht aus, stellt ihn aber fürs Erste hinten an.






