Es riecht noch nach frisch Gebackenem in der Backstube Dördelmann, dabei ist die Ware längst auf dem Weg in die 15 Filialen der Hammer Bäckerei Dördelmann. Um acht Uhr morgens endet die Schicht – auch die der drei Auszubildenden zum Bäcker. Tim Braune und Maslun Aksan belegen noch Käsebrötchen, Saif Hammad füllt Crispy Taler in Cellophan-Tütchen. "Ein beliebter Snack", erklärt Philipp Dördelmann, kaufmännischer Geschäftsführer des Familienbetriebs in vierter Generation.

Sein Uropa, Bäckermeister Fritz Oberg, gründete den Betrieb 1927, also vor fast 100 Jahren. "Meine Eltern Jörg und Ulrike haben die Backstube 1987 übernommen", erzählt Philipp Dördelmann. "Und wir haben durchgehend ausgebildet, auch Bäckereifachverkäuferinnen."

Gebäck und Brot für 15 Filialen

Heute hat die Familie 15 Filialen in allen Hammer Ortsteilen, beliefert diese nicht nur mit mannigfaltigen Brotspezialitäten, sondern auch mit Gebäck. 130 Mitarbeiter arbeiten im Unternehmen. Philipp Dördelmanns Bruder, Handwerksmeister Kevin Dördelmann verantwortet die Ausbildung. "Wir haben hier aber auch zahlreiche Mitarbeiter, die seit 20 Jahren in der Backstube stehen, fundierte Kenntnisse haben und diese an die Auszubildenden weitergeben."

Maslun Aksan und Saif Hammad bestätigen das und betonen: "Das Team hier ist top."

Die Auszubildenden Tim Braune (rechts) und Maslun Aksan belegen Blätterteigrollen mit Käse zum Überbacken. Traumberufe Bäcker und Konditor 2026
Die Auszubildenden Tim Braune (rechts) und Maslun Aksan belegen Blätterteigrollen mit Käse zum Überbacken. Foto: Markus Liesegang

Der gebürtige Türke Maslun Aksan ist 32 Jahre alt, arbeitete schon 15 Jahre in einer Backstube von Landsleuten. "Er braucht den Abschluss, um die Kenntnisse im deutschen Innungs-Backwesen nachzuweisen. Und damit er nicht abgeschoben wird, eben den Gesellenbrief", erklärt sein Mentor, der ihn schon seit einigen Jahren beschäftigt. "Ich habe hier fast alles an Tätigkeiten kennengelernt, mache eigentlich alles gerne", sagt Maslun Aksan. Er will sich mit den bestätigten Kenntnissen eine eigene Existenz aufbauen.

Traum vom eigenen Café

Auch Saif Hammad hat einen solchen Traum: "Ich möchte irgendwann ein Café aufmachen", erklärt der Iraker in sehr gutem Deutsch. "Ich bin ja auch seit acht Jahren im Land und gleich eingeschult worden." In die Backstube hat ihn noch seine Oma gelockt. "Ich habe ihr immer geholfen beim Backen", erzählt der 19-Jährige. Er liebe Käsekuchen, habe sich aber noch nicht drangetraut. Bei Dördelmann wird er es lernen.

Saif Hammad verpackt die beliebten Crispy-Taler in Cellophantüten. Traumberufe Bäcker und Konditor 2026
Saif Hammad verpackt vor dem Feierabend noch die beliebten Crispy-Taler in Cellophantüten. Foto: Markus Liesegang

Man macht viel händisch, erklärt Philipp Dördelmann. "Wir arbeiten mit einem lebenden Produkt." Geschick sei Voraussetzung für den Erfolg. "Das kann man beim Praktikum erproben." Der Geschäftsführer legt ansonsten Wert auf die Grundtugenden Zuverlässigkeit, Einstellung, Engagement und "etwas lernen zu wollen". Wenn es passt, stünden die Chancen der Übernahme nach der Ausbildung sehr gut.

Sauberkeit ist das A und O

Vor dem eigentlichen Feierabend wird die Backstube noch gereinigt. "Sauberkeit ist schließlich das A und O in der Lebensmittelbranche", erklärt der Chef. Und es wird vorbereitet für die nächste Nacht, Brotkästen werden gefettet. Jeden Tag verlassen gut 10000 Brötchen und an die 1000 Brote die Backstube An der Bever 10. Daneben Teilchen und Torten, produziert von und unter der Aufsicht der Konditorenmeisterin Stefanie Gareis. "Es wäre schön, wenn wir eine Auszubildende zum Konditor einstellen könnten", wirbt Philipp Dördelmann. Eine Frau? "Ja durchaus. Sie arbeiten einfach feinfühliger mit dem Gebäck."

Arbeiten von Mitternacht bis in den frühen Morgen? "An die Zeiten gewöhnt man sich schnell, man kommt in diesen Rhythmus", sagt Tim Braune. Braune? Da war doch was. "Ja, ich gehöre zur Bäckerfamilie in Bergkamen", klärt der 19-Jährige umgehend auf. Aber es sei ihm freigestellt worden, den Beruf seiner Vorfahren zu ergreifen. Den Meister will der Abiturient in jedem Fall nachlegen und vielleicht das BWL-Studium oder das zum Ingenieur für Lebensmitteltechnik. Er weiß: "Fundiertes Wissen über die Vorgänge in einer Backstube kann da nicht schaden."

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