Nein, auf Noten in Schulzeugnissen lege er keinen allzu großen Wert, sagt Maschinenbau-Ingenieur Christoph Knepper. „Die Auszubildenden sollen ja nicht Goethe und Schiller zitieren können, sondern Interesse zeigen und Freude am Beruf haben“, sagt der Geschäftsführer der Knepper Maschinenbau GmbH in Bergkamen-Heil. Der gelernte Schlosser, der auch Obermeister der Innung für Metalltechnik Unna und Kreishandwerksmeister im Kammerbezirk Hellweg-Lippe ist, unterstreicht dagegen den Stellenwert eines Praktikums.
Im Praktikum über den Beruf informieren
„Wenn jemand sich bewirbt, sollte er sich zunächst über den Beruf informieren“, meint er. Theoretisch und eben praktisch. Genau das tat Marvin Bollin, der aktuelle Auszubildende zum Konstruktions- und Zerspanungstechniker an der Königslandwehr. „Ich habe die 10. Klasse am Berufskolleg nachgeholt, suchte eine Ausbildungsstelle, wusste aber nicht genau, was ich wollte“, erzählt der 19-Jährige beim Blick zurück. „Dann habe ich einen Kumpel getroffen, der hier gelernt hat. Er meinte: Komm doch einfach mal mit.“
Inzwischen ist Marvin Bollin im zweiten Lehrjahr, wechselt im Sommer ins dritte. Und der Kamener steht voll hinter seiner Berufswahl. „Ich will möglichst schnell den Meister dranhängen“, schmiedet er jetzt schon Pläne für die Zeit nach dem Erhalt des Gesellenbriefs.

Kein Tag ist wie der andere
Genau diese Motivation möchte Christoph Knepper sehen bei all seinen 30 Mitarbeitern. Er bietet in seiner Firma im Gegenzug eine Fülle an Tätigkeitsbereichen, was sein Azubi unterstreicht. „Kein Tag ist wie der andere. Es gibt immer wieder Neues zu tun“, erklärt Marvin Bollin. Sein Steckenpferd ist das Schweißen. „Der Vorgang an sich ist interessant – und dann bietet Schweißen unglaublich viele Möglichkeiten der Gestaltung von Werkstücken.“
Das Bergkamener Familienunternehmen hat mit dem Maschinenbau, der Anlagentechnik inklusive Konstruktion und der Montage beim Kunden drei Sparten, der Übergang ist für die Mitarbeiter durchaus durchlässig. Auch der Lehrling war schon mit auf Montage vor Ort. „Bisher nicht im Ausland, aber das stelle ich mir auch spannend vor“, sagt er. Zwar sei man in erster Linie dort, um zu arbeiten. Trotzdem lerne man Land und Leute kennen, das weiß Marvin Bollin von den Kollegen, die weltweit im Einsatz sind. Als „aufregend“ beschreibt er aber auch seine Arbeitsbesuche im Ruhrgebiet: „Es ist beeindruckend, die riesigen Stahlwerke mit Öfen von innen und live zu erleben.“

Mal leicht und klein, mal tonnenschwer
„Heavy Metal“ ist die Sache von Christoph Knepper. Sondermaschinenbau, Reparaturen, Überholung, Ersatz von Verschleißteilen, Einzelteilfertigung oder der Bau von kompletten Maschinen oder ganzen Fertigungsstraßen. Der Betrieb zählt große, namhafte Unternehmen der Stahl- oder Zementindustrieindustrie zu seinen Stammkunden. „Wir fertigen Einzelteile, die ein Pfund wiegen, aber auch Maschinen, die 50 Tonnen schwer sind, arbeiten vom Keller bis in 60 Meter Höhe“, beschreibt der Firmenchef. Was die Produktionshalle an der Königslandwehr verlässt, sei oft ein Unikat.
Die Maschinen seien außerdem oft komplex. „Man muss sich reindenken, Gedanken machen, eine geeignete Lösung finden“, sagt der Diplom-Ingenieur. Die macht sich nicht nur er. Christoph Knepper legt Wert auf die Vorschläge der Mitarbeiter. „Jeder blickt ja anders auf das Problem, jede Idee ist willkommen“, betont er. Auch die des Auszubildenden, wie Marvin Bollin bestätigt: „Sogar meine Lösungsvorschläge werden angehört.“






